Über HanfWert BW
Nutzhanf - Eine Kulturpflanze mit Potenzial
Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Europas und wurde über Jahrhunderte hinweg genutzt, beispielsweise für Textilien, Seile und Spezialpapiere. In Deutschland war der Anbau von Hanf ab 1982 verboten, doch seit 1996 dürfen landwirtschaftliche Betriebe unter klaren rechtlichen Auflagen wieder Nutzhanf anbauen. Im landwirtschaftlichen Anbau ist ausschließlich Nutzhanf zulässig, also zertifizierte Sorten mit einem sehr geringen THC-Gehalt.
Das aktuelle Interesse an der Kulturpflanze hängt vor allem mit ihrer vielseitigen Verwendbarkeit zusammen. Hanf ist für Anwendungen in der Textilwirtschaft, im Baubereich, in der Papierherstellung und bei biobasierten Materialien interessant. Er bietet interessante Perspektiven durch seine vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten von der Faser über die Körner bis hin zur Ganzpflanzennutzung. Hinzu kommt, dass Hanf in vielen Fällen mit vergleichsweise geringem
Pflanzenschutzaufwand auskommt und bei günstigen Aussaat- und Auflaufbedingungen durch seine zügige Jugendentwicklung unerwünschten Aufwuchs gut unterdrücken kann.
Gleichzeitig ist Nutzhanf in Deutschland trotz wachsendem Interesse bislang noch keine flächendeckend etablierte Kultur mit vollständig entwickelter Wertschöpfungskette. Das gilt auch für Baden-Württemberg. Umso wichtiger ist es, den Anbau, die Qualitätseigenschaften und die späteren Verwertungsmöglichkeiten
entlang der Wertschöpfungskette von Anfang an zusammenzudenken.
HanfWert BW als Lösungsansatz
Mit HanfWert BW wird eine der zentralen Herausforderungen im Faserhanfanbau aufgegriffen. Die Projektpartner - bestehend aus der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim, dem Institut für Textil- und Faserforschung, dem Landesbauernverband und der landwirtschaftlichen Praxis - beschäftigen sich mit der Frage, wann der Bestand geerntet werden sollte, um eine möglichst hohe und gleichbleibende Faserqualität zu erreichen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines digitalen Entscheidungsunterstützungssystems, das Landwirten künftig eine zusätzliche, datengestützte Grundlage für diese Entscheidung bietet.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich aus Fotos des Hanfbestands in Kombination mit Umwelt-, Wetter- und Qualitätsdaten belastbare Hinweise auf den aktuellen Röstzustand und das optimale Erntefenster ableiten lassen. Dabei ist uns ein praxisnaher und zugleich wissenschaftlich sauberer Ansatz wichtig.
Es soll ein System entwickelt und unter realen Bedingungen prüfen werden, das die bisher häufig erfahrungsbasiert vorgenommene Einschätzung des Erntezeitpunkts
sinnvoll ergänzt. Wenn das gelingt, könnte daraus perspektivisch eine App oder Webanwendung entstehen, die Betriebe bei der Ernteentscheidung unterstützt und dazu beiträgt, Qualitätsschwankungen und Wertverluste entlang der Wertschöpfungskette zu verringern.
Die Grundlage dafür bilden mehrjährige Feldversuche an sechs Standorten in Baden- Württemberg, wo über drei Jahre hinweg bis zu 24 Hanfsorten, unter unterschiedlichen Standort- und Witterungsbedingungen von der Uni Hohenheim untersucht werden. Ergänzt wird dies durch standardisierte Analysen zentraler
Qualitätsparameter durch das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung in Denkendorf. So entsteht eine Datengrundlage, mit der sich Zusammenhänge
zwischen Sorte, Umwelt, Röstverlauf, Erntezeitpunkt und Faserqualität systematisch untersuchen lassen.
Gemeinsam mit der Landwirtschaft
Die Einbindung der landwirtschaftlichen Praxis ist ein zentrales Element von HanfWert BW. Von Anfang an sind landwirtschaftliche Betriebe als Projektpartner eingebunden und bringen ihre Erfahrungen, Anforderungen und Fragestellungen direkt in das Vorhaben ein. Die Betriebe sollen frühe Versionen oder Prototypen der Anwendung unter realen Bedingungen testen und Rückmeldung dazu geben, welche Informationen im Betriebsalltag tatsächlich hilfreich sind und wo die Grenzen liegen.
Auf diese Weise kann das System schrittweise weiterentwickelt und an die Anforderungen der Praxis angepasst werden. Praxistaugliche Lösungen entfalten nur dann Wirkung, wenn sie gemeinsam mit den Betrieben erarbeitet und erprobt werden. So entsteht ein praxisnah entwickeltes System, das unter realen Bedingungen erprobt
ist und sich nahtlos in bestehende Betriebsabläufe integrieren lässt.
Mit dem Landesbauernverband ist zudem ein Partner eingebunden, der die Perspektive der landwirtschaftlichen Praxis in das Projekt einbringt
und den Wissenstransfer unterstützt.