Bauernverband: Die gesamte Milchwirtschaft im Land stärken

Präsident Rukwied: Wirtschaftliche Situation der Milchbauern weiter nicht zufriedenstellend – Partnerschaft zwischen Milcherzeugern und Molkereiwirtschaft auf verlässliche Grundlage stellen – Klare Perspektive nötig

"Die wirtschaftliche Situation vieler Milchviehbetriebe ist nach wie vor unbefriedigend. Die Marktsituation hat sich in den vergangenen Wochen nicht grundlegend geändert. Deshalb ist es jetzt absolut vordringlich, die Partnerschaft zwischen Milcherzeugern und Molkereien nachhaltig auf eine verlässliche und vertrauensvolle Grundlage zu stellen. Ich rufe alle Milchbauern auf, diesen schwierigen, aber notwendigen Weg mitzugehen!" Das erklärte Präsident Joachim Rukwied anlässlich der Mitgliederversammlung des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) am Donnerstag, dem 26. Juni 2008, in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen). Rukwied appelliert an die Milchbauern, daran mitzuwirken, damit wieder sozialer Frieden, Vertrauen und ein verständnisvolles Miteinander auf den Höfen und in den Dörfern einkehren. "Gewalt in Wort und Tat darf nicht das Zusammenleben beherrschen", spricht er deutliche Worte. Vielmehr gelte es, sich auf Toleranz, Menschenwürde und Zivilcourage zu besinnen. "Die Entscheidungsträger in der Molkereiwirtschaft, zu denen auch die Milcherzeuger in den Aufsichts- und sonstigen Gremien der Molkereigenossenschaften gehören, sind gefordert, in den Listungsgesprächen mit dem Lebensmitteleinzelhandel zu verlässlichen und marktorientierten Abschlüssen zu kommen", betont Rukwied. Alle Möglichkeiten müssten ausgeschöpft werden, um das ungesunde Ungleichgewicht zwischen den großen Einkaufszentralen des Lebensmitteleinzelhandels und der Molkereiwirtschaft abzubauen, die mit bundesweit rund 120 Unternehmen nicht stark genug positioniert sei. "Hier ist zudem das Bundeskartellamt gefordert, um die wahren Machtkonzentrationen am Milchmarkt zu untersuchen", ergänzt der Bauernpräsident. Auf mittlere Sicht müsse ein funktionierendes Marktmanagement zwischen Molkereien und Milchbauern vereinbart und realisiert werden, um die Milchwirtschaft gegenüber dem mächtigen Handel besser aufzustellen. Absolute Vertragstreue und partnerschaftliches Vertrauen seien hierzu unerlässlich, unterstreicht Rukwied. So könne das Augenmerk vor allem auf die intensive Beobachtung der Marktlage konzentriert und in marktorientierte unternehmerische Entscheidungen der Molkereien und Milchbauern umgesetzt werden. Nur miteinander und nicht gegeneinander könnte die gesamte Milchwirtschaft zum Nutzen der beteiligten Marktpartner und letztlich auch der Verbraucher gestärkt werden. "Jede weitere Aufstockung der EU-Milchquote lehnt der Bauernverband ab", äußert sich Rukwied unmissverständlich. Angesichts des Auslaufens der EU-Milchmengenregelung im Jahr 2015 fordert er auf politischer Ebene "endlich die Zusage der Finanzmittel, um das vom Bauernverband initiierte Begleitprogramm für die Milchbauern abzusichern". Bei den laufenden Verhandlungen in der Welthandelsorganisation (WTO) dürfe der EU-Außenschutz nicht weiter abgebaut werden. Sonst sei es unabdingbar, international gleiche Sozial-, Umwelt- und sonstige Produktionsstandards wie in der EU einzuführen. Eine einseitige Belastung der Milcherzeuger in Deutschland lehnt Rukwied entschieden ab. Dazu gehöre auch die Einführung eines neuen Umrechungsfaktors von Milchvolumen (in Liter) in Milchgewicht (in Kilogramm) von 1,02 auf 1,03. Dadurch würden lediglich die Umsatzerlöse der Milchbauern geschmälert. Ob die Begrenzung der Saldierung in der jetzigen Situation eine marktorientierte Wirkung habe, sei erst noch zu prüfen. Jedenfalls dürften aktive Milcherzeuger, deren Betrieb auch in zehn Jahren und in der nächsten Generation Bestand haben solle, keinesfalls zusätzlich belastet werden, beispielsweise mit Quotenkosten. Dass die EU-Milchquote, die 2015 ausläuft, weiter an Wert verliert, zeige sich an den Ergebnissen der vergangenen Milchbörsen. Rukwied kritisiert die Ablehnung der EU, die Quotenbindung bei der Agrarinvestitionsförderung aufzuheben. Die Begründung, das sei für den reibungslosen Übergang zur Zukunft ohne Milchquoten nötig, bezeichnet er als "fadenscheinig". Land und Bund "müssen sich weiterhin bei der EU für die Aufhebung der Milchquotenbindung bei Stallneubauten und -erweiterungen einsetzen", fordert er. Aktuelle Fotos von Präsident Joachim Rukwied können Sie im Internet unter dem Menüpunkt "Presse" auf www.lbv-bw.de herunterladen.