Bauernverband: Nahrungsmittelerzeugung bleibt Hauptaufgabe der Landwirte

Präsident Rukwied: Bioenergien als weiteres Standbein – Der Markt entscheidet über Flächenanteil nachwachsender Rohstoffe – Die Land- und Agrarwirtschaft in Baden-Württemberg langfristig sichern

„Die Nahrungsmittelerzeugung ist und bleibt Hauptaufgabe der europäischen, deutschen und auch baden-württembergischen Landwirtschaft. Wir Landwirte er-zeugen hochwertige Agrarprodukte unter hohen europäischen Standards und nachhaltigem Umgang mit natürlichen Ressourcen.“ Das erklärt Joachim Rukwied, der Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV), am 22. April 2008 in Stuttgart.

Aufrufe zum Stopp der Nutzung von Bioenergien weist Rukwied zurück: „Wie viel nachwachsende Rohstoffe auf unseren Feldern zur Erzeugung von Bioenergien angebaut werden, entscheidet der Markt. Dabei spielen der Preis und die Verfüg-barkeit fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle ebenso eine entscheidende Rolle wie unsere Erzeugerpreise für Agrarrohstoffe zur Lebensmittelproduktion“, betont der Bauernpräsident. „Nachwachsende Energien sind ein weiteres Stand-bein für unsere landwirtschaftlichen Unternehmen“, so Rukwied.

Die Situation auf den Weltmärkten für landwirtschaftliche Rohstoffe habe sich grundlegend geändert. Als Folge einer stetig steigenden Weltbevölkerung – jedes Jahr kommen rund 80 Millionen Menschen weltweit dazu –, wachsender Kaufkraft, beispielsweise in Asien, und sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern seien viele Agrarrohstoffmärkte zu Nachfra-gemärkten geworden, erläutert der Bauernpräsident. Die Preisbewegungen an den internationalen Rohstoffmärkten nehmen weiter zu. Die Agrarrohstoffe seien als Folge dieses langfristig steigenden Preistrends auch zur Zielscheibe von Spekulanten geworden, die nach Expertenaussagen 30 und mehr Prozent der Preisbewegungen auslösten. Dieser neuen Marktsituation müssten sich die landwirtschaftlichen Unternehmen in Baden-Württemberg stellen und sich gezielt darauf ausrichten. Deshalb sei politische Planungssicherheit in der EU-Agrarpolitik „absolut unabdingbar“, mahnt Rukwied.

„Die weltweite Belebung der Nachfrage für viele landwirtschaftliche Produkte wie Getreide macht es erforderlich, dass wir Landwirte noch produktiver und effizienter wirtschaften. Natürlich befolgen wir dabei weiterhin allein schon zur Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit die Grundsätze einer nachhaltigen, tier- und umweltgerechten landwirtschaftlichen Produktion“, betont Rukwied. „Die landwirtschaftliche Forschung hat sich verstärkt auf die Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz einzustellen, statt mancherorts überkommenen Konzepten der Flächenextensivierung nachzuhängen“, fordert der Bauernpräsident

Ebenso unmissverständlich fordert Rukwied „konkrete und wirksame Schritte zur Verringerung des Verbrauches landwirtschaftlicher Nutzflächen“. Dabei hat er vor allen Dingen auch die Ausgleichsflächen für Straßenbau- und Infrastrukturmaß-nahmen im Visier: „Es kann nicht weiter angehen, dass beste landwirtschaftliche Böden durch Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz in Anspruch genommen werden und als hochproduktive Acker- und Grünlandflächen dauerhaft verloren gehen“, verlangt Rukwied ein Umdenken: „Kostbare landwirtschaftliche Böden an sich müssen zukünftig als Ausgleich für Infrastrukturmaßnahmen gelten.“

„Die europäische und schon gar nicht die baden-württembergische Landwirtschaft ist Verursacher der Armut und des Hungers in vielen Entwicklungsländern dieser Welt“, räumt Rukwied mit teilweise weit verbreiteten Vorurteilen auf. „Die korrupten Regime, Kriege, die Ausbeutung der einfachen Landbevölkerung durch die Herrschenden, fehlendes Eigentum an landwirtschaftlichen Flächen und teilweise auch gut gemeinte Entwicklungshilfe, die jedoch nicht den Bedürftigen, sondern den bestechlichen Regierungen zugute kommen, sind die wirklichen Ursachen. Denen sollten sich gerade auch die Entwicklungshilfepolitiker in der EU nüchtern und zielorientiert stellen“, meint der Bauernpräsident.

Rukwied lässt keinen Zweifel daran, dass in den entwickelten Industriegesell-schaften Europas „zukünftig die Ressourceneffizienz und die weitere Steigerung der Erträge in der Landwirtschaft Vorrang haben müssen. Dabei kommt es nicht auf den maximalen, sondern den optimalen Ertrag unter Aufrechterhaltung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit und unter Einhaltung unserer umfangreichen eu-ropäischen Standards im Tier- und Umweltschutz sowie in der Sozialpolitik an.“

Aktuelle Fotos von Präsident Joachim Rukwied können Sie im Internet unter dem Menüpunkt „Presse“ auf www.lbv-bw.de herunterladen.