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ZukunftsBauer(n) Diebold: Wie zwei Generationen Pferdehaltung neu denken

Alle Fotos u. Videos: Fam. Diebold, Reitstall Erlenhof

Vater Erich und Sohn Timo gestalten den Wandel ihres Hofes – mit Technik, Tierwohl und einer klaren Vision für die Zukunft.

Wenn man heute über den Hof der Familie Diebold geht, spürt man sofort: Hier wurde in den vergangenen Monaten Großes bewegt. Wo früher klassische Boxen das Bild prägten, steht nun ein moderner Aktivstall, in dem Pferde selbstbestimmt fressen, laufen und ruhen können. Die weitläufigen Trails, die offenen Liegebereiche und die präzise gesteuerten Futterautomaten zeigen, wie viel Planung, Arbeit, Wissen und Herzblut in den Umbau geflossen sind. Doch im Mittelpunkt steht nicht nur die neue Anlage – es ist die gemeinsame Vision zweier Generationen, die diesen Schritt möglich gemacht hat. 

Seit 1958 bewirtschaftet die Familie Diebold den Hof – einst mit Kühen, Schweinen und Geflügel, später mit Reitschule und Pensionspferdehaltung. Heute führen Erich und sein Sohn Timo mit ihren Familien den Betrieb gemeinsam in ein neues Kapitel. „Wir haben viel darüber gesprochen, wie die Zukunft des Betriebs aussehen soll“, erzählt Hofnachfolger Timo Diebold. „Für uns stand fest: Mit klassischer Boxenhaltung geht es nicht weiter“, ergänzt Vater Erich Diebold klar.

Vom Milchviehstall zur modernen Pferdeanlage

Die Geschichte des Hofs ist geprägt von Mut und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Schon die Eltern von Erich hatten früh das Potenzial des Reitsports erkannt. 1975 entstand die erste Reithalle, 1980 folgte der Umbau der Ställe für die Pensionspferdehaltung – damals ein großer Schritt, der sich gegen manche Skepsis durchsetzen musste. „Man muss Mut haben“, sagt Erich Diebold rückblickend. „Das gilt heute genauso wie früher. Wenn man 30 Jahre nicht investiert, braucht man sich nicht wundern, wenn einen der Investitionsstau irgendwann einholt.“ Dieser Mut prägt die Familie bis heute. Als klar wurde, dass Timo mit seiner Familie in den Betrieb einsteigen will, stand für beide Generationen fest: Der Hof braucht eine Form der Haltung, die langfristig wirtschaftlich, tiergerecht und personell machbar bleibt.

Warum sich die Familie bewusst für den Umbau entschieden hat

Die Personalfrage war einer der wichtigsten Treiber für den Umbau zum Aktivstall. „Wir wollten weder den Pferdebestand massiv erhöhen noch reduzieren“, erklärt Erich Diebold. „Aber die klassische Boxenhaltung lässt sich in Zukunft vermutlich nur mit deutlich mehr Personalaufwand gut und zeitgemäß führen – allein schon, um dem steigenden Anforderungen der Besitzer gerecht zu werden.“ Zugleich beobachtet die Familie seit Jahren, wie sich die Erwartungen an Pferdehaltung verändern – in der Gesellschaft wie auch unter Pferdebesitzerinnen und -besitzern. Immer stärker rückt das Thema Tierwohl in den Mittelpunkt. Für die Diebolds war das ein klarer Hinweis, den eigenen Betrieb frühzeitig weiterzudenken und eine Haltung zu schaffen, die diesen langfristigen Entwicklungen gerecht wird – bevor äußere Faktoren oder neue Trends sie dazu zwingen würden.

Also begann die Familie einen gut überlegten Entscheidungsprozess: unzählige Hofbesuche, Gespräche mit anderen Betreibern, eine ehrliche Marktanalyse. Timo erinnert sich: „Wir haben viele Aktiv- und Laufställe angeschaut und uns gefragt: Was passt zu uns, unseren Pferden und unseren Kunden?“ Mit der Zeit wurde die Antwort immer klarer: ein Aktivstall, ausgestattet mit moderner Technik, ausgelegt für maximalen Komfort der Pferde – und für eine Zukunft, die ohne stetig steigenden Personalbedarf auskommt.

Investition in die Zukunft: Neubau, Energie und moderne Pferdehaltung

Im Oktober 2024 fiel der Startschuss für die Bauarbeiten. Seither wurden knapp sechs Kilometer Kabel verlegt, rund 400 Meter Abwasserleitungen erneuert und große Erdbewegungen durchgeführt. Bereits zuvor entstanden neue Dächer und eine Photovoltaikanlage. Die Entscheidung für Photovoltaik war für die Diebolds sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll. Nach einem schweren Hagelereignis mussten die Dächer ohnehin erneuert werden – ein idealer Zeitpunkt also, sie für eine langfristige Verpachtung freizugeben. „Für uns war das eine solide Finanzierungsgrundlage für den Stallumbau“, erinnert sich Erich Diebold zurück. Der Anlagenbetreiber übernimmt Betrieb, Wartung und Investitionen, so ergab sich für die Stallbetreiber kein Risiko. Gleichzeitig erzeugen die neuen Dachflächen nun nahezu ein Megawatt erneuerbaren Strom. Für die Familie ist das auch ein Beitrag zum Klimaschutz: „Wenn man schon neu baut, sollte man die Chancen nutzen – ökologisch und wirtschaftlich.“

Der neue Aktivstall ist eine moderne und durchdachte Anlage: Ausgestattet mit computergesteuerten Futterautomaten, insgesamt 24 Kameras zur Überwachung von Gesundheit und Fressverhalten, weitläufigen Trailflächen zum Traben und Galoppieren sowie offenen, aber trockenen Liegebereichen, bietet er den Pferden viel Raum für Bewegung und ein natürliches Herdenleben. „Es ist nicht weniger Arbeit geworden, aber eine andere“, zieht Erich Diebold ein erstes Fazit. „Die körperliche Arbeit wurde weniger, was uns wichtig war. Dafür ist es heute mehr Überwachung der Pferde und Management der Technik.“

Für die Pferde zahlt sich der Wandel aus: Sie sind ausgeglichener, bewegen sich individuell wie sie mögen rund um die Uhr und zeigen ein deutlich natürlicheres Sozialverhalten. „Wenn ich morgens über den Hof gehe und sehe, wie die Pferde rennen oder miteinander spielen – das geht mir jedes Mal das Herz auf“, lächelt der Senior. „So sollte Pferdehaltung sein. Sie leben hier wie in einem Schlaraffenland.“

Sportpferde im Aktivstall: Ein System, das funktioniert

Für Timo ist der Aktivstall auch ein Blick nach vorn: „Wir wollen Vorreiter sein. Die klassische Boxenhaltung ist nicht mehr zeitgemäß. Das Thema Tierwohl bekommt auch in der Pferdehaltung einen immer größeren Stellenwert.“ Viele Sportpferdebesitzer sorgen sich um Verletzungen – doch Timo Diebold, selbst erfolgreicher Springreiter, widerspricht aus Erfahrung: „Meine Sportpferde leben auch in der Gruppe. Sie sind entspannter, leistungsbereiter und können sich besser konzentrieren. Das hätte ich früher nie gedacht.“ Wenn er an die nächsten Jahre denkt, hat der Junglandwirt ein klares Ziel: „Ich wünsche mir, dass viele Betriebe den Schritt wagen. Platz hat nicht jeder – aber wer kann, sollte es tun. Diese Haltung ist die Zukunft.“

Landwirtschaft im Wandel – Auch hier neue Wege

Parallel zur Pferdehaltung hat Familie Diebold 2016 auf Bio umgestellt. Ein Schritt, der für Erich Diebold rückblickend längst überfällig war. „Wir hätten das schon 20 Jahre früher machen sollen“, ist er sich heute sicher. Die Erträge seien stabil, die Böden hätten sich deutlich verbessert und der Betrieb brauche weit weniger Betriebsmittel als früher. Statt mineralischer Dünger und chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel setzt der Hof heute auf weite Fruchtfolgen, Gesundungsfrüchte und funktionierende Nährstoffkreisläufe. 

Der Betrieb bewirtschaftet rund 100 Hektar, davon 55 Hektar Ackerbau und 45 Hektar Grünland. Dazu kommen die Pferdeweiden, die zwar nicht in der Schnittnutzung sind, aber als zusätzliche Nahrungsquelle dienen. Hochwertige Luzerne spielen in der Pferdefütterung auf dem Betrieb ebenfalls eine zentrale Rolle. „Luzerne ist für uns ein Top-Futter – und sie verbessert ganz nebenbei unsere Böden“, erklärt der Betriebsleiter. Die Pflanze bindet Stickstoff, unterdrückt unerwünschte Beikräuter und bleibt zwei Jahre auf der Fläche stehen. Ergänzt wird die Fruchtfolge durch Leguminosen wie Ackerbohnen oder Linsen, die ebenfalls zur Bodenstruktur und Nährstoffversorgung beitragen.

Zur betrieblichen Weiterentwicklung gehört für die Diebolds auch moderne Technik: Mit dem autonomen Feldroboter FarmDroid „Drudi“ werden Zuckerrüben und Raps präzise ausgesät und mechanisch von Unkraut freigehalten – vollkommen unabhängig von fossilen Brennstoffen, denn der Roboter erzeugt seinen Strom selbst. Was früher mehrere Arbeitsgänge und hohen Energieeinsatz bedeutete, erledigt „Drudi“ heute nahezu emissionsfrei. „Das ist ein Beispiel dafür, wie Landwirtschaft ressourcenschonend funktionieren kann“, so der Landwirt überzeugt.

Der Umbau des Aktivstalls wird 2025 abgeschlossen sein, doch zur Ruhe kommt die Familie deshalb nicht. Eine neue Longierhalle ist bereits geplant, Versorgungsgebäude sollen modernisiert und die Reitschule weiterentwickelt werden. „Wenn wir das alles in der Vergangenheit nicht gemacht hätten, würde der Betrieb heute nicht so gut dastehen“, ist sich Erich Diebold sicher. Und er ist sichtbar stolz darauf, dass die nächste Generation dieselbe Haltung mitbringt: Mut, Verantwortung und Freude an der Weiterentwicklung – im Stall ebenso wie auf dem Acker.

Bitte beachten Sie: Dieses Feature inkl. Fotos können Medienvertreter unter Angabe der Quelle für Ihre Berichterstattung honorarfrei nutzen. 

Weitere Features aus der ZukunftsBauer-Beitragsreihe sind bereits erschienen:

1.1 Wo Wein wächst und die Ideen reifen – Wie ZukunftsBauer Michael Kinzinger die Extreme meistert (Hier »)
1.2Kultur(pflanzen) im Wandel – Wie ZukunftsBauer Stefan Kerner den Klimawandel zur Chance macht (Hier »)
1.3 Wie ZukunftsBauer Felix Miller mit exotischer Vielfalt dem Klimawandel entgegentritt (Hier »)

Weitere Ausgaben zum Thema Erneuerbare Energien sind in Vorbereitung.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.