Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat ein neues Positionspapier zur Zukunft des Ökolandbaus veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Ökolandbau langfristig wirtschaftlich tragfähig, bodenschonend und praxisgerecht weiterentwickelt werden kann. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) unterstützt die darin formulierten Forderungen ausdrücklich. Für den Bauernverband steht fest: Funktionierende Nährstoffkreisläufe sind die Voraussetzung für nachhaltige Bodenfruchtbarkeit und erfolgreichen Ökolandbau.
Hintergrund des Positionspapiers ist ein zunehmendes strukturelles Ungleichgewicht. Während inzwischen rund zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden, liegt der Anteil der Öko-Tierhaltung lediglich bei etwa sechs Prozent. Dadurch fehlen vielen Öko-Ackerbaubetrieben wichtige Nährstoffe für stabile Erträge, Humusaufbau und Bodenfruchtbarkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen des Thünen-Instituts bestätigen inzwischen die Folgen dieser Entwicklung.
Zugleich gerät die ökologische Tierhaltung immer stärker unter Druck. Praxisferne Vorgaben und verschärfte Rechtsauslegungen im EU-Öko-Recht führen dazu, dass immer mehr Betriebe aus der Tierhaltung aussteigen. Damit geraten auch funktionierende Kreisläufe zunehmend ins Wanken. Der DBV fordert deshalb eine grundlegende Kurskorrektur in der Agrarpolitik. Im Mittelpunkt stehen praxistaugliche Tierhaltungsregelungen, Investitionssicherheit für Betriebe, mehr Offenheit bei regionalen Nährstoffkreisläufen sowie eine stärkere Förderung praxisnaher Forschung.
David Gutjahr, Vorsitzender des LBV-Fachausschusses Ökologischer Landbau, betont: „Wer den Ökolandbau in Baden-Württemberg weiter ausbauen will, muss endlich die Voraussetzungen dafür schaffen. Das Ziel von 30 bis 40 Prozent Ökolandbau wird nur erreichbar sein, wenn Politik und Verwaltung stärker an der Praxis orientiert handeln.“ Gerade Baden-Württemberg nehme beim Ausbau des Ökolandbaus eine besondere Rolle ein. Umso wichtiger sei es, regionale Kreisläufe zu stärken und natürliche Standortbedingungen stärker zu berücksichtigen. „Ökologischer Landbau funktioniert nicht nach einem starren Schema. Wir brauchen mehr Verfahrensoffenheit und Lösungen, die zu den natürlichen Voraussetzungen der Regionen und Betriebe passen. Kreisläufe müssen vor Ort geschlossen werden können.“ Besonders wichtig sei dabei auch der Erhalt der ökologischen Tierhaltung. Bio und Tierhaltung dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Bio lebt von Vielfalt. Ökolandbau und Tierhaltung gehören zusammen. Sie sind für Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und funktionierende Kreisläufe eng miteinander verbunden.“
Aus Sicht des LBV braucht es deshalb dringend Anpassungen im europäischen und nationalen Öko-Recht. Nur wenn Tierwohl, Umwelt- und Klimaziele mit praktikablen und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen verbunden werden, kann der Ökolandbau in Baden-Württemberg und Deutschland nachhaltig weiterentwickelt werden.
Die Pressemitteilung des DBV zum Papier finden Sie hier.
Das vollständige DBV-Positionspapier steht hier zum Download bereit.




