Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 blieb das Einkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Trotz einzelner positiver Entwicklungen bei bestimmten Betriebszweigen zeichnet sich für viele landwirtschaftliche Betriebe weiterhin eine schwierige wirtschaftliche Situation ab. Dies gab der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz in Stuttgart bekannt.
Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt: Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe stagnieren
Hohe Kosten, volatile Märkte und schwierige Ernten belasten zahlreiche Familienbetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr.
Unterschiedliche Entwicklungen in den Betriebsformen prägen das Ergebnis
Das Unternehmensergebnis je nicht entlohnter Familienarbeitskraft (nFAK) lag im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2024/2025 im Durchschnitt aller Haupterwerbsbetriebe bei 41.610 Euro und damit ungefähr auf Vorjahresniveau. Während einige Bereiche von besseren Preisen oder Marktimpulsen profitieren konnten, steht ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Betriebe weiterhin unter hohem wirtschaftlichen Druck. Im bundesweiten Vergleich bleibt Baden-Württemberg Schlusslicht unter den Bundesländern.
Ackerbau durch schwierige Marktlage und Wetterextreme enorm belastet
Die Ackerbaubetriebe verzeichneten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Ihr Unternehmensergebnis sank um 30 Prozent auf 25.216 Euro je nFAK. Entscheidend hierfür waren die weiterhin niedrigen Erzeugerpreise bei Getreide sowie ein schwächeres Ertragsniveau im Sommer 2024. Im aktuell laufenden Wirtschaftsjahr verschärft sich die wirtschaftliche Situation noch weiter. „Viele Ackerbaubetriebe geraten zunehmend in eine ökonomische Schieflage, weil weiter sinkende Erlöse, hohe Auflagen und Produktionsrisiken kaum noch zu kompensieren sind“, erklärte Rukwied.
Wein- und Obstbau weiter massiv unter Druck
Die Weinbaubetriebe konnten nach dem extrem schwachen Vorjahr ihr Unternehmensergebnis zwar auf 27.670 Euro je nFAK steigern, dennoch liegen die Einkommen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Insbesondere die weiter schwache Nachfrage nach Wein sowie ein zunehmender Preisdruck durch günstige Importe aus Ländern mit niedrigeren Lohnkosten und weniger strengen Produktionsauflagen setzen die heimischen Betriebe unter Druck.
Auch die Obstbaubetriebe verbesserten ihr Ergebnis auf 47.448 Euro je nFAK. Trotz des Plus von 43 Prozent bleiben die Herausforderungen groß: Die bundesweit sehr geringe Apfelernte im vergangenen Jahr, steigende Lohnkosten und zunehmender Krankheits- und Schädlingsdruck belasten die Obsterzeuger im Land.
Ergebnis der Schweinehaltung rückläufig
Die Veredlungsbetriebe erzielten zwar mit 67.378 Euro je nFAK das höchste Betriebsergebnis aller Betriebsformen, mussten aber im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang von rund 19 Prozent hinnehmen. Rückläufige Schlachtschweinepreise und anhaltende Herausforderungen bei den Tierhaltungsvorgaben belasten die wirtschaftliche Perspektive der Schweinehalter erheblich. „Die Betriebe benötigen Planungssicherheit und politischen Rückhalt, um dringend notwendige Investitionen tätigen zu können“, mahnte der LBV-Präsident.
Milchviehhaltung: Vorjahresplus wird durch Preisdruck im LEH gefährdet
In der Milchviehhaltung verbesserte sich das Unternehmensergebnis auf 60.683 Euro je nFAK und lag damit rund 21 Prozent über dem Vorjahr. Ausschlaggebend waren vor allem höhere Milchpreise über weite Teile des Wirtschaftsjahres 2024/2025. „Trotz des verbesserten Ergebnisses bleiben die Betriebe angesichts der aktuellen Marktentwicklung verunsichert“, betonte LBV-Präsident Joachim Rukwied mit Blick auf die Preisabwärtsbewegung im Herbst 2025. Die Landwirtinnen und Landwirte seien mit volatilen Märkten vertraut und könnten mit üblichen Preisschwankungen umgehen, so der LBV. Die derzeitige Entwicklung gehe jedoch über die normale Marktdynamik hinaus. „Was wir aktuell erleben, ist kein Marktmechanismus mehr, sondern ein von einem Discounter entfachter Kampf um den günstigsten Preis,“ erklärte LBV-Präsident Rukwied. Der aktuell ausgerufene Preis von 99 Cent für ein Päckchen Butter sei inakzeptabel. „Wo bleibt das im Strategiedialog Landwirtschaft abgegebene Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zur Stärkung der Landwirtschaft?“, so Rukwied fragend.
Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels bremst Wertschöpfung auf den Höfen massiv aus
Die Gesamtbilanz zeigt klar: Die Wertschöpfung in der Landwirtschaft bleibt über alle Betriebszweige hinweg zu gering. Lediglich etwas mehr als 20 Prozent der Verbraucherausgaben für Lebensmittel erreichen die landwirtschaftlichen Betriebe – zu wenig, um Arbeit, Kapital und Boden angemessen zu vergüten. Besonders im Ackerbau, in der Schweinehaltung und im Weinbau fehlen stabile Erlöse, um Zukunftsinvestitionen und eine tragfähige Perspektive zu ermöglichen. „Wir sehen seit Jahren, dass immer größere Teile der Wertschöpfung in Verarbeitung und Handel hängenbleiben, während auf den Höfen die wirtschaftliche Basis erodiert“, erklärte LBV-Präsident Joachim Rukwied. „Wenn die Gesellschaft erwartet, dass Lebensmittel weiterhin hier vor Ort produziert werden, dann müssen die Marktpartner auch dafür sorgen, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte genügend Einkommen zur Entwicklung ihrer Betriebe erwirtschaften können.“
Das jüngste Sondergutachten der Monopolkommission (s. hier ») bestätigt diese Problemlage: Die dominierende Stellung des stark konzentrierten Lebensmitteleinzelhandels lasse kaum ausgewogene Verhandlungen zu und verschärfe die Wertschöpfungsverluste der Erzeuger. „Wir teilen die Einschätzung der Monopolkommission, dass der Markt dringend vor weiterer Konzentration geschützt und die Missbrauchsaufsicht deutlich gestärkt werden muss“, so Rukwied. „Ohne faire Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere Beteiligung der Erzeuger an der Wertschöpfung riskieren wir einen beschleunigten Strukturwandel, den Verlust regionaler Produktion und Versorgungssicherheit“, warnte Rukwied.
Hintergrundinformationen zu den Unternehmensergebnissen 2024/25
(Wirtschaftsjahr 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025)
Datenbasis: Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 818 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben, welche die baden-württembergische Landwirtschaft im Haupterwerb repräsentieren.
Unternehmensergebnis: Das Unternehmensergebnis muss neben der Entlohnung für die Familien-Arbeitskräfte sowie die unternehmerische Tätigkeit auch die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, persönliche Steuern, Tilgung für Fremdkapital und finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Ein Teil des Unternehmensergebnisses ist für die Finanzierung von Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden.
Arbeitskräfte (AK): Der Arbeitskräfteeinsatz je ausgewertetem Betrieb liegt bei 2,1 Arbeitskräften je Unternehmen beziehungsweise 2,9 AK je 100 Hektar. Die Zahl der Familienarbeitskräfte (FAK) beträgt unverändert 1,5 FAK je Betrieb. Der durchschnittliche AK-Besatz, bezogen auf die Fläche, liegt in Baden-Württemberg um rund 42 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (2,04 AK je 100 Hektar).
Fläche: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche der ausgewerteten Betriebe beträgt rund 73 Hektar pro Betrieb. Der Anteil der Pachtflächen beträgt im Durchschnitt dieser Betriebe 71 Prozent (51 Hektar). Die Pachtquote in Baden-Württemberg liegt bei 60 Prozent.
Landwirtschaftliche Betriebe: In Baden-Württemberg gibt es nach der amtlichen Statistik noch rund 37.500 landwirtschaftliche Betriebe. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt knapp 37,5 Hektar (Deutschland rund 65 Hektar). Die überwiegende Mehrheit (86 Prozent) der landwirtschaftlichen Betriebe wird als Familienbetrieb, als sogenanntes Einzelunternehmen, geführt. In Baden-Württemberg wird deutlich mehr als jeder zweite Betrieb (58 Prozent) im Nebenerwerb bewirtschaftet. Gemeinschaftliche Betriebsformen gewinnen zunehmend an Bedeutung, darunter insbesondere Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) mit einem Anteil von knapp 12 Prozent an allen Betriebsformen
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.
LBV Jahres-Pressekonferenz Übersichts-Charts der Unternehmensergebnisse nach Betriebsformen
















