Die Preise am Schweinemarkt befinden sich im Sinkflug und mit ihnen schwinden die Zukunftsperspektiven vieler Betriebe: Ausgerechnet mitten in der Grillsaison und während der Fußball-Weltmeisterschaft, wenn die Nachfrage nach Schweinefleisch üblicherweise anzieht, erleben die Schweinehalter einen erneuten Preisverfall. Eine derart negative Entwicklung zu diesem Zeitpunkt des Jahres ist äußerst ungewöhnlich und ein alarmierendes Signal für den Markt. Nach mehreren Preiseinbrüchen in Folge arbeiten viele Betriebe weit unterhalb der Kostendeckung. Entsprechend gering sind die Erwartungen an die kommenden Monate – die Aussichten für die heimische Schweinehaltung sind derzeit so trübe wie lange nicht. Für viele Betriebe verschärft sich damit eine ohnehin wirtschaftlich kaum noch tragbare Situation. LBV-Vizepräsident Hans-Benno Wichert fordert deshalb ein klares Signal von Politik, Handel und Marktpartnern zur Zukunft der heimischen Schweinehaltung.
„Die Situation unserer Schweinehalter ist sehr dramatisch. Viele Betriebe arbeiten seit Monaten unterhalb der Kostendeckung. Die erneuten Preiseinbrüche verschärfen die Lage zusätzlich und rauben den Betrieben jede Perspektive für notwendige Investitionen und Weiterentwicklungen. Wir werden erneut das Gespräch mit dem Lebensmitteleinzelhandel suchen. Im Strategiedialog Landwirtschaft haben sich alle Partner zu einer gemeinsamen Verantwortung für die heimische Landwirtschaft bekannt. Jetzt erwarten wir, dass diesen Zusagen auch Taten folgen. Wer regionale Erzeugung, Tierwohl und kurze Wertschöpfungsketten fordert, muss bereit sein, die dafür notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mitzutragen. Genauso steht die neue Landesregierung in der Pflicht. Sie muss jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit die Schweinehaltung in Baden-Württemberg eine Zukunft hat. Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit, Investitionsperspektiven, politische Unterstützung und nicht zuletzt einen Verbraucher, der bewusst zu regionalen Produkten greift. Andernfalls wird sich der Strukturwandel weiter beschleunigen und das mit gravierenden Folgen für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und den gesamten ländlichen Raum,“ macht LBV-Vizepräsident Hans-Benno Wichert deutlich.
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg hat bereits mehrfach auf die schwierige Situation in der Schweinehaltung hingewiesen. Besonders betroffen sind die Ferkelerzeuger, die gleichzeitig vor erheblichen Investitionen zur Umsetzung gesetzlicher Vorgaben stehen. Um die Zukunft der heimischen Schweinehaltung zu sichern, hat der Landesbauernverband ein Positionspapier vorgelegt. Darin fordert der Verband unter anderem ein Sonderförderprogramm für die Ferkelerzeugung, verlässliche Investitionsförderungen für den Stallumbau, den Abbau bürokratischer Hemmnisse, schnellere Genehmigungsverfahren sowie ein klares Bekenntnis zu regionaler Erzeugung und deutscher Herkunft entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Aus Sicht des LBV müssen Politik, Handel und Marktpartner jetzt gemeinsam handeln, um den Betrieben wieder eine tragfähige Zukunftsperspektive zu eröffnen.


