Gemeinsame Pressemeldung Landesmarktverband und des LBV-Fachausschuss Vieh und Fleisch
Der Landesmarktverband Vieh und Fleisch sowie der Fachausschuss Vieh und Fleisch des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) fordern ein dringend benötigtes Sonderförderprogramm für die Ferkelerzeugung, die unter besonderem Investitionszwang aufgrund der gesetzlichen Fristen steht. Angesichts steigender Baukosten, fehlender Planungssicherheit und wirtschaftlich nicht tragfähiger Erzeugerpreise müsse die zukünftige Landesregierung in den anstehenden Koalitionsverhandlungen klare Perspektiven für die Sauenhalter schaffen. Nur so könne sichergestellt werden, dass auch künftig regionale Ferkel in Baden-Württemberg erzeugt werden. „Die Investitionsbereitschaft ist grundsätzlich vorhanden, aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht darstellbar“, so die einhellige Einschätzung der Gremien. Es gelte jetzt, den Investitionsstau in der Schweinehaltung gezielt abzubauen und den Betrieben wieder eine Perspektive zu geben. Dazu braucht es allerdings ein entsprechendes staatliches Förderprogramm.
Die Investitionskosten sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Im Durchschnitt muss ein Betrieb fast 4.000 € pro Sauenplatz einkalkulieren. Die Umsetzung der neuen Haltungsvorgaben geht zudem meist mit einem höheren Arbeitsaufwand und Materialbedarf einher, sodass auch die laufenden Kosten steigen. Dadurch werden Ferkel teurer und auch das Mastschwein muss am Ende der Mast einen höheren Preis erlösen, um die Investitionen zu refinanzieren. Der Vorsitzende Wichert geht davon aus, dass es langfristig auch schon in Haltungsformstufe 2 einen Schlachterlös von mindestens 2,50 €/kg Schlachtgewicht (SG) braucht, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Allerdings sind solche Preise aktuell nicht am Markt erzielbar. Zu Jahresbeginn brach der Vereinigungspreis auf 1,45 € ein, inzwischen kam es zumindest zu einer leichten Erholung, in KW 16 lag die Preisempfehlung der VEZG (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch) bei 1,70 € pro Kilogramm SG. Auch die Ferkelpreise sind zum Jahresbeginn deutlich eingebrochen: Um kostendeckend arbeiten zu können, sollte der Erlös aktuell bei mindestens 70 € je Ferkel liegen, um die Investitionskosten zu tragen, müssten mindestens zusätzliche 15 € pro Tier erlöst werden. Im Januar lag die Ferkelnotierung Baden-Württemberg jedoch bei lediglich 38,50 €. Auch hier sind die Preise wieder angezogen auf nun 62,20 €.
Der Landesmarktverband sowie der Fachausschuss haben kürzlich in Stuttgart getagt. Im Mittelpunkt der Sitzungen stand die Zukunft der Schweinehaltung und die Auswirkungen von Politik, Markt und gesellschaftlichen Anforderungen. In den Diskussionen wurde deutlich, dass die Sorge um die Zukunft der heimischen Schweinehaltung groß ist. Die Betriebe sind bereit, sich in Richtung höherer Tierwohlstandards weiterzuentwickeln und marktgerechte Produkte zu liefern. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die entstehenden Mehrkosten auch gedeckt werden, davon ist man bei den derzeitigen Schweinepreisen weit entfernt.
Zusätzlich erschweren steigende Auflagen durch politische Regulierung, fehlende Planungssicherheit, langwierige Genehmigungsverfahren und zunehmende Bürokratie notwendige Weiterentwicklungen in den Betrieben. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt in Baden-Württemberg aktuell nur noch bei 54 Prozent, ein weiteres Absinken muss aus Sicht der Verbände unbedingt verhindert werden. Denn eine steigende Importabhängigkeit bedeutet auch, dass Fleisch häufiger aus Ländern stammt, in denen andere – teilweise niedrigere – Tierwohl- und Produktionsstandards gelten.
Eng damit verknüpft ist die Schlachtstättenstruktur im Land. Die Gremien begrüßen daher ausdrücklich die Investitionen des Landes in den Schlachthof Gärtringen. Um Transportzeiten kurz zu halten und Tierwohlanforderungen gerecht zu werden, sind dezentrale Schlachtmöglichkeiten von zentraler Bedeutung.
Die Nutztierhaltung ist ein fester Bestandteil der Landwirtschaft in Baden-Württemberg und sichert insbesondere in kleinstrukturierten Betrieben einen wesentlichen Teil des Einkommens. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Motor für die regionale Wirtschaft: Entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Futtermühlen über Metzgereien bis hin zu Handwerk und Dienstleistungen – werden Arbeitsplätze im ländlichen Raum gesichert.
Hintergrundinformationen:
Die Entwicklung der Tierhaltung in Baden-Württemberg zeigt einen klaren Strukturbruch. Im Rinderbereich ist die Entwicklung rückläufig: Der Bestand sank von 1.001.792 Rindern im Jahr 2015 auf 878.935 Tiere im Jahr 2025, ein Rückgang um gut 12 % bzw. rund 123.000 Tiere. Rund 19 % der rinderhaltenden Betriebe in Baden-Württemberg gaben in den letzten 10 Jahren auf: Waren es 2015 noch 17.294 Betriebe, sank die Zahl 2025 auf 13.987 Betriebe.
Bei den schweinehaltenden Betrieben ist die Zahl von 2.570 Betriebe im Jahr 2015 auf 1.470 Betriebe im Jahr 2025 dramatisch gesunken, ein Rückgang um rund 43 %. Der Schweinebestand ging im selben Zeitraum von 1.849.500 auf 1.253.200 Tiere zurück, das entspricht einem Minus von rund 32 % bzw. knapp 600.000 Tieren.
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.
Der Landesmarktverband Vieh und Fleisch Baden-Württemberg ist ein Branchenzusammenschluss entlang der gesamten Wertschöpfungskette Fleisch. Der Sitz befindet sich in Stuttgart. Zweck des Verbandes ist es, die allgemeinen Belange der Vieh- und Fleischwirtschaft in Baden-Württemberg zu fördern. Seine Aufgabe besteht insbesondere in der Erörterung wichtiger Anliegen der Vieh- und Fleischwirtschaft.



