Am 5. August fand auf Einladung von Landwirtschaftsministerin Marion Gentges ein gemeinsamer Austausch mit Vertretern der Wertschöpfungskette statt. Die Bauernverbände, die dieses Treffen initiiert hatten, diskutierten gemeinsam mit den weiteren Beteiligten aus den Bereichen der landwirtschaftlichen Erzeugung über Zucht, Vermarktung und Verarbeitung sowie dem Ministerium über die aktuelle Krisensituation der Schweinebranche sowie notwendige Lösungsansätze.
Hans-Benno Wichert, LBV-Vizepräsident und Vorsitzender des LBV-Fachausschusses Vieh und Fleisch, erklärt im Anschluss an den Termin: „Der Austausch war konstruktiv und ein wichtiges Signal. Jetzt müssen sich aber alle Beteiligten ehrlich machen. Unsere Schweinehalter brauchen keine weiteren Absichtserklärungen, sondern wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen, also schlichtweg Liquidität auf den Höfen. Politik, Handel und Marktpartner müssen jetzt zeigen, dass sie zu ihrer Verantwortung und den Zusagen aus dem Strategiedialog stehen. Der Wille zum Handeln war bei allen Beteiligten spürbar, jetzt muss er sich auch in konkreten Ergebnissen widerspiegeln. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Jetzt ist die Zeit zu handeln.“ Der Runde Tisch hat sich darauf verständigt, nun zeitnah weitere Gespräche zu führen und diese insbesondere mit dem Lebensmitteleinzelhandel zu intensivieren. Für den LBV ist klar: Der Handel trägt als maßgeblicher Marktpartner eine besondere Verantwortung und muss dementsprechend auch seinen Beitrag zur Liquiditätssicherung für die Höfe beitragen. Daher ist der LEH nun in der Pflicht, seine im Strategiedialog Landwirtschaft gegebenen Zusagen einzulösen und die vereinbarten Maßnahmen konsequent umzusetzen.
Der LBV hat die Anliegen der schweinehaltenden Betriebe mit Nachdruck eingebracht und auf die dramatische wirtschaftliche Lage hingewiesen. Gemeinsam mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) hat der Verband bereits im Vorfeld ein Forderungspapier vorgelegt, das konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der heimischen Schweinehaltung aufzeigt.
„Wir haben in den vergangenen Jahren bereits immer wieder vor dem Strukturbruch in der Schweinehaltung gewarnt. Heute stehen wir nun an einem gefährlichen Kipppunkt. Viele Betriebe haben die Tierhaltung bereits aufgegeben, und viele weitere stehen heute unmittelbar vor der Entscheidung, auszusteigen. Es geht nicht mehr darum, den Strukturwandel zu verlangsamen, sondern den negativen Trend endlich umzukehren. Denn mit jedem Betrieb, der aufgibt, verlieren wir ein Stück regionaler Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, sind weitere Betriebe unwiederbringlich verloren. Deshalb dürfen wir keine Zeit mehr verlieren,“ betont Wichert.
Der LBV begrüßt die Zusagen von Ministerin Gentges, die Ernährungssouveränität in die Landesverfassung aufnehmen zu wollen. Auch die weiteren angestoßenen Bemühungen und in Aussicht gestellten Aktivitäten sind ein positiver Schritt. Entscheidend bleibt, dass die Maßnahmen schnell zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft beitragen.



