Der LBV-Milchausschuss übt angesichts der drastischen Preissenkungen bei Milchprodukten scharfe Kritik am Lebensmitteleinzelhandel. Nach seiner Einschätzung handelt es sich nicht mehr um übliche Marktschwankungen, sondern um einen gezielt geführten Preiskampf von Discountern, der die wirtschaftliche Basis vieler bäuerlicher Familienbetriebe gefährdet. „Wir Landwirte kennen volatile Märkte und können mit Preisschwankungen umgehen – aber 99 Cent für das Päckchen Butter ist ein Missbrauch von Markmacht auf dem Rücken unserer heimischen Milchbauern,“ erklärt die Vorsitzende des Ausschusses, LBV-Vizepräsidentin und Milchbäuerin aus dem Allgäu, Roswitha Geyer-Fäßler. Einige Discounter nutzen ihre Marktmacht aus und drücken Preise auf ein Niveau, das weder die Kosten deckt noch eine faire Beteiligung der Erzeuger zulässt. Dieses Problem betrifft nicht nur die Milch, sondern nahezu alle landwirtschaftlichen Produkte.
Regionale Erzeugung und Versorgungssicherheit stehen auf dem Spiel
Der LBV-Milchausschuss weist darauf hin, dass die Landwirtschaft bereit ist Lebensmittel regional und zu höchsten Standards zu produzieren und das Tierwohl zu verbessern. Wer regionale Versorgung will, muss aber auch dafür sorgen, dass die Betriebe wirtschaftlich überleben können. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die Perspektiven für die Bauernfamilien eröffnet. Das war im Strategiedialog Landwirtschaft in Baden-Württemberg auch ein Bekenntnis des Handels. Nach Ansicht des LBV-Milchausschusses zeige die aktuelle Entwicklung allerdings, dass einige Händler nur auf dem Papier hinter der heimischen Landwirtschaft stehen.
LBV-Milchausschuss fordert politische und kartellrechtliche Schritte
Die jüngsten Preissenkungen reihen sich ein in eine über Jahre gewachsene Situation des Marktungleichgewichts. Dies wurde erst jüngst in dem Sondergutachten der Monopolkommission bestätigt. Der LBV-Milchausschuss erwartet, dass Politik und Kartellbehörden diese Entwicklungen sehr genau prüfen. Eine stärkere Missbrauchsaufsicht, eine konsequente Anwendung der Regeln gegen unlautere Handelspraktiken und klare Grenzen für marktmächtige Handelsunternehmen sind unabdingbar. „Dumpingstrategien dürfen nicht akzeptiert werden. Handel und Politik müssen Verantwortung übernehmen. Sonst verlieren wir das Fundament der regionalen Lebensmittelerzeugung, denn der Verlust von landwirtschaftlichen Betrieben lässt sich nicht mehr einfach wieder rückgängig machen,“ bekräftigt Geyer-Fäßler nochmals die Position des LBV-Milchausschusses.

