Biogas ist ein zentraler Baustein für eine sichere, klimaneutrale Energieversorgung und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum. In Baden-Württemberg und Bayern sind über 3.700 Anlagen in Betrieb – das entspricht fast 40 Prozent des bundesweiten Bestands. Doch für viele dieser Anlagen steht die Zukunft auf dem Spiel: In den kommenden Jahren läuft bei mehr als einem Drittel die EEG-Förderung aus, ohne dass ausreichend verlässliche Anschlussregelungen bestehen.
Vor diesem Hintergrund haben die Länder beim süddeutschen Biogasgipfel in Ulm mit der „Ulmer Erklärung“ ein gemeinsames Signal an den Bund gesendet, um die Zukunft der Branche zu sichern. Diese finden Sie auf dieser Webseite im unteren Download-Bereich.
Helmut Jäger, Vorsitzender der LBV-Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien, nimmt im Namen des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg dazu wie folgt Stellung:
„Biogas ist ein zentraler Baustein für eine regionale, sichere und klimafreundliche Energieversorgung in Deutschland. Als speicherbarer Energieträger liefert es Strom und Wärme auch in Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Biogas sorgt für Stabilität im Stromnetz, gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheiten auf den Energiemärkten. Gleichzeitig sind Biogasanlagen ein unverzichtbarer Bestandteil geschlossener Kreisläufe in der Landwirtschaft. Sie verwerten Wirtschaftsdünger und Reststoffe effizient, stärken regionale Wertschöpfungsketten und sind damit von zentraler Bedeutung für den ländlichen Raum und seine Kommunen.
Die aktuellen Überlegungen zur Weiterentwicklung des EEG werden diesem Potenzial jedoch bei weitem nicht gerecht. Es besteht akuter Handlungsbedarf: Bestehende Anlagen müssen gesichert, Investitionen – insbesondere in die Flexibilisierung – angereizt und die Nutzung aller verfügbaren Bioenergieträger gestärkt werden.
Wir fordern daher klare Nachbesserungen im Sinne eines praxisgerechten Biomassepakets 2.0:
- Besonders Kleinanlagen brauchen verlässliche Perspektiven durch bessere Anschlussregelungen und höhere Zuschläge.
- Der Flexibilitätszuschlag ist spürbar zu erhöhen und auch Bestandsanlagen zugänglich zu machen.
- Der Maisdeckel muss gestrichen oder mindestens deutlich angehoben werden.
- Die Gebotshöchstwerte in den Ausschreibungen müssen angehoben werden.
- Ökologisch wertvolle Substrate müssen gezielt gefördert werden.
- Die Sondervergütungsklassen für Güllekleinanlagen sind konsequent weiterzuentwickeln von installierter Leistung auf Bemessungsleistung.
- Bürokratieabbau u.a. bei der Anmeldung neuer Motoren (VDE 4110) und der Anmeldung neuer Einsatzstoffe aus dem Bereich landwirtschaftliche Reststoffe. Die benötigten Gutachten sind kompliziert, teuer und sehr langwierig.
Biogas ist heimische Energie. Sie ist jederzeit verfügbar und macht uns unabhängiger von Importen. Wer Resilienz und Versorgungssicherheit ernst meint, muss Biogas in der Kraftwerkstrategie deutlich stärker berücksichtigen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die politischen Weichen so zu stellen, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe weiterhin einen verlässlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten können.“




