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Immer weniger landwirtschaftliche Tierhalter im Land

Rückgang des Selbstversorgungsgrades an tierischen Produkten hält an.

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat am 18. Dezember 2025 die aktuellen Ergebnisse der Viehzählung zum Stichtag 3. November 2025 veröffentlicht. Die Nutztierbestände entwickeln sich weiter dramatisch rückläufig.

Die Vizepräsidenten des Landesbauernverbandes (LBV), Roswitha Geyer-Fäßler und Hans-Benno Wichert, zeigen sich sehr besorgt über diese Entwicklung: „Die Tierhaltung ist für viele Betriebe im Land die existentielle Grundlage. Doch auch die Gesellschaft braucht die Tierhaltung. Ohne Tierhaltung gibt es keine Landschaftspflege und keine ausgewogene Ernährung. Doch leider sehen viele Betriebe durch den enormen wirtschaftlichen Druck, gepaart mit immer weiteren bürokratischen Auflagen, keinen anderen Ausweg als die Aufgabe der Tierhaltung.“

Bei Milchkühen hält Abwärtstrend an
Bei den Milchkühen hält der negative Trend der Vorjahre weiter an. Die Bestände sind auf nun 301.100 Kühe zurückgegangen, die Zahl der Milchviehhalter auf 4.890 Betriebe. Gegenüber dem Vorjahr ist dies bei den Tierzahlen ein Rückgang um knapp 1 Prozent, bei den Milchviehbetrieben um 4,3 Prozent. Verglichen mit dem Jahr 2010 ging die Zahl der Betriebe aber um 55 Prozent und die Zahl der Milchkühe um 15 Prozent zurück.

Der Rinderbestand insgesamt weist mit nun 878.900 Rindern (- 0,7 Prozent) und rund 14.000 Betrieben (- 1 Prozent) einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr auf. Verglichen mit 2010 betrug die Abnahmerate jedoch 22 Prozent bei den Rinderhaltungen und 13,4 Prozent bei den Tierzahlen.

Vizepräsidentin Roswitha Geyer-Fäßler blickt besorgt auf die Zahlen: „Der Strukturwandel setzt sich insbesondere in der Milchviehhaltung weiter fort. Gerade die Milchviehhaltung erfordert einen Rund-um-die-Uhr-Einsatz an jedem Tag des Jahres. Damit wir dafür auch weiterhin Nachwuchs finden, braucht es eine höhere Wertschätzung für diese Leistung in Politik und Gesellschaft. Die derzeitigen Ramschpreise im Lebensmitteleinzelhandel – insbesondere bei Butter – lassen jedoch diese notwendige Anerkennung vermissen.“

Auch Zahl der Schweinehalter sinkt weiter
Während sich der Schweinebestand im November letzten Jahres noch stabil zeigte, wurde zum 3. November 2025 wieder ein Rückgang verzeichnet. So beläuft sich der Schweinebestand nun auf 1,25 Millionen Tiere und lag damit um 1,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der Schweinehalter sank um fast 2,0 Prozent auf 1.470 Betriebe. Gegenüber 2010 war dies ein Minus von fast 40 Prozent bei den Tierzahlen, und über 60 Prozent bei den schweinehaltenden Betrieben.

Der Bestand an Zuchtsauen ging um 1,7 Prozent auf 99.700 Tiere zurück und lag damit bei einer Novemberzählung erstmals unter 100.000 Tieren. Die Zahl der Zuchtsauenhalter sank auf nur noch 560 Betriebe (- 4,7 Prozent zum Vorjahr). Im Vergleich mit 2010 ging damit die Zahl der Zuchtsauenbetriebe um 73 Prozent und die Zahl der Zuchtsauen um fast 60 Prozent zurück.

Vizepräsident Hans-Benno Wichert äußert sich dazu: „Diese dramatischen Einbrüche haben unsere Befürchtungen leider noch übertroffen. Wenn dieser Entwicklung jetzt nicht endlich massiv entgegengesteuert wird, brechen uns auch noch die letzten Betriebe weg – mit allen negativen Konsequenzen für die regionale Wertschöpfung. Schweinefleisch ist nach wie vor das beliebteste Fleisch auch der Baden-Württemberger und sollte deshalb aus dem Ländle kommen.“

Selbstversorgungsgrad sinkt
Mittlerweile liegt der Selbstversorgungsgrad mit Milchprodukten in Baden-Württemberg unter 60 Prozent und bei Schweinefleisch bei 54 Prozent. „Letztendlich können wir aber eine nachhaltige Erzeugung tierischer Produkte nur aufrechterhalten, wenn die Tierhaltung in der Region bleibt. Angesichts der zunehmenden internationalen Unsicherheiten muss unsere Ernährungssicherung daher vor allem regional gewährleistet werden,“ sind sich Geyer-Fäßler und Wichert einig. 

Wenn dies von der Gesellschaft auch gewollt sei, müsse die Politik ihr Handeln danach ausrichten.

Pressemitteilung LBV

Zur vollständigen Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes