Die anhaltende Trockenheit hat in diesem Jahr tiefe Spuren auf den Äckern und Wiesen in Baden-Württemberg hinterlassen. „Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht. Auf vielen Betrieben fehlt seit Monaten das Wasser. Die Folgen sehen wir jetzt bei der Ernte. Auf zahlreichen Standorten werden sie noch weit über dieses Jahr hinaus zu spüren sein“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, im Rahmen der diesjährigen Ernte-Pressekonferenz. Regional kamen Hagel und Unwetter hinzu. „Unsere Bauernfamilien können mit schwierigen Jahren umgehen. Aber wenn Wetterextreme immer häufiger auftreten und gleichzeitig Kosten exorbitant steigen und Erlöse wegen niedriger Preise fehlen, geraten selbst gut aufgestellte Betriebe unter enormen Druck“, macht Rukwied klar.
Dürre trifft Landwirtschaft mit voller Wucht – Betriebe brauchen jetzt Unterstützung

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) zieht Bilanz zur Ernte 2026. Anhaltende Trockenheit und Hitze sorgen für deutliche Ertragseinbußen auf dem Acker und eine dramatische Futtersituation in der Tierhaltung. Der LBV fordert kurzfristige Hilfen und bessere Instrumente zur Absicherung gegen zunehmende Wetterextreme.
Deutliche Einbußen im Ackerbau
Während die früh geerntete Wintergerste noch vergleichsweise glimpflich durch das Anbaujahr gekommen ist, zeigen sich bei Winterweizen und Raps erhebliche Einbußen. Bei später abreifenden Kulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben hat der Wassermangel das Wachstum massiv beeinträchtigt. Insbesondere bei der Zuckerrübe zeichnet sich in Baden-Württemberg eine sehr schwache Ernte ab. Nach den aktuellen Zahlen liegt der Ertrag bei Winterweizen bei 67,2 dt/ha, bei Wintergerste bei 70 dt/ha und bei Sommergerste bei 49,6 dt/ha. Beim Raps wurden durchschnittlich 35,7 dt/ha geerntet. Insgesamt rechnet der Landesbauernverband mit einer Getreideernte von 2,57 Mio. Tonnen.
Futtersituation für Tierhalter dramatisch
Noch gravierender sind die Folgen der Trockenheit auf dem Grünland und im Futterbau. In fast allen Regionen Baden-Württembergs sind seit dem zweiten Schnitt kaum noch nennenswerte Aufwüchse zu verzeichnen. Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt vollständig ausgefallen. Landesweit kann von einer Größenordnung von mindestens 30 bis 40 Prozent weniger Futter ausgegangen werden, lokal liegen die Ausfälle bei bis zu 50 Prozent. „Für unsere tierhaltenden Betriebe geht es längst nicht mehr nur um eine schlechte Ernte. Es geht um die Frage, wie sie ihre Tiere durch den Winter bekommen“, warnt Rukwied. Viele Betriebe verfüttern bereits jetzt Futterreserven, die eigentlich für die Wintermonate vorgesehen waren. Gleichzeitig ist der regionale Markt für Heu, Öhmd und Stroh vielerorts wie leergefegt. Für noch verfügbare Ware werden teilweise Preise aufgerufen, die rund 50 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Auch die Maisbestände leiden erheblich unter Trockenheit und hohen Temperaturen. Teilweise werden Bestände vorzeitig gehäckselt, obwohl weder die gewünschte Futtermenge noch die entsprechende Qualität erreicht werden kann.
Niedrige Erlöse treffen auf hohe Kosten
Die Dürre trifft die Landwirtschaft in einer ohnehin wirtschaftlich angespannten Situation. Niedrige Erzeugerpreise stehen hohen Kosten insbesondere für Diesel und Düngemittel gegenüber. In arbeitsintensiven Bereichen wie den Sonderkulturen verschärft der steigende Mindestlohn zusätzlich den Wettbewerbsdruck gegenüber Importware. Auch die heimische Tierhaltung steht wirtschaftlich erheblich unter Druck. „Unsere Bauernfamilien stellen sich den Herausforderungen und passen ihre Bewirtschaftung an. Ein deutlicher Abbau der Bürokratie einerseits und mehr unternehmerische Freiheit mit Zugang zu Innovationen andererseits, ist zwingend notwendig“, mahnt Rukwied. „Jetzt geht es um den Erhalt der Höfe im Land. Wer künftig eine sichere Versorgung aus der Region möchte, muss dafür sorgen, dass unsere Betriebe durch diese Krise hindurchkommen und wieder wirtschaftlich handlungsfähig werden. Jetzt ist die Politik gefordert.“
Erste Schritte sind gemacht – weitere müssen folgen
Der Landesbauernverband begrüßt die vom Land angekündigten Futtermittelhilfen einschließlich der Unterstützung von Transportkosten sowie die Flexibilisierungen bei den Öko-Regelungen und die zusätzlichen Möglichkeiten zur Futtergewinnung auf FAKT-Flächen. „Das sind wichtige und richtige erste Schritte für unsere Betriebe in einer äußerst angespannten Situation. Neben dem Land ist jetzt der Bund gefordert ein Sofortprogramm auf den Weg zu bringen“, betont Rukwied.
Dieses Sofortprogramm muss folgende Punkte enthalten:
- Düngemittelhilfspaket auf 180 Mio. Euro aufstocken und über die Berufsgenossenschaft unbürokratisch und zügig auszahlen
- 80 Prozent der Direktzahlungen bereits im Oktober auszahlen und die restlichen 20 Prozent garantiert im Dezember
- Reduktion der Steuer auf Diesel
Darüber hinaus braucht es:
- Zinszuschüsse für Liquiditätsdarlehen
- Aussetzung von Steuervorauszahlungen
Langfristig fordert der LBV:
- Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage
- staatliche Unterstützung einer umfassenden Mehrgefahrenversicherung einschließlich Trockenheit für Ackerkulturen und Grünland
- bessere Förderung von Investitionen in Klimaanpassung, insbesondere Bewässerung
- stärkere Unterstützung langfristiger Anpassungsstrategien durch Forschung, Innovation und moderne Züchtungstechnologien
Hintergrundinformationen
Ernteergebnisse 2026 (Stand 24.08.2026)
- Winterweizen: Ertrag 67,2 dt/ha
-8,2 % im Vergleich zum langjährigen Mittel. - Wintergerste: Ertrag 70,0 dt/ha
+1,3 % im Vergleich zum langjährigen Mittel. - Sommergerste: Ertrag 49,6 dt/ha
-9,7 % im Vergleich zum langjährigen Mittel. - Raps: Ertrag 35,7 dt/ha
-10,3 % im Vergleich zum langjährigen Mittel. - Hafer: Ertrag 38,9 dt/ha
-19,4 % im Vergleich zum langjährigen Mittel.
Eine Dezitonne (dt) entspricht 100 Kilogramm. Das langjährige Mittel ist der Durchschnitt der vergangenen sechs Ernten (2020 bis 2025).
Anbauflächen in Baden-Württemberg: Mit einer Fläche von 175.800 Hektar ist der Winterweizen weiterhin die Hauptkultur in Baden-Württemberg, gefolgt von Wintergerste (82.200 Hektar) und Körnermais (59.200 Hektar). Der Anbau von Dinkel lag bei 32.200 Hektar und von Hafer bei 20.700 Hektar. Sommergerste verringerte sich erneut leicht auf 48.200 Hektar, während der Winterrapsanbau (55.700 Hektar) auch in diesem Jahr leicht zunahm.
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.
LBV-Pressemitteilung zur Ernte-Pressekonferenz
24.08.2026













