Die Situation auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben spitzt sich dramatisch zu. Hohe Kosten treffen auf Erzeugerpreise, die vielerorts nicht annähernd ausreichen, um wirtschaftlich tragfähig arbeiten zu können. Beim traditionellen Bauerntag des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) nimmt LBV-Präsident Joachim Rukwied deshalb Bundes- und Landesregierung in die Pflicht. „Unsere Bäuerinnen und Bauern wollen ihre Höfe weiterentwickeln und Zukunft gestalten. Aber dafür muss sich ihre Arbeit rechnen. Auf vielen Betrieben geht es inzwischen um die wirtschaftliche Existenz. Wir brauchen jetzt schnelle Entlastungen und gleichzeitig den Mut, endlich die grundlegenden Herausforderungen anzugehen“, appelliert Rukwied.
Bauerntag fordert Entlastung und Kurswechsel für die Landwirtschaft
Bauernpräsident Rukwied fordert mehr unternehmerischen Freiraum und echte Perspektiven für die nächste Generation
Lebensmittelproduktion muss sich wieder rechnen
„Wenn ein Landwirt heute Weizen anbaut und schon bei der Aussaat damit rechnen muss, dass er ein Minusgeschäft macht, dann läuft etwas grundlegend falsch. Kein Unternehmer würde dauerhaft ein Produkt herstellen, mit dem er Geld verliert. Aber wir produzieren Lebensmittel und sichern die Ernährung der Menschen. Wir arbeiten mit der Natur und ihren Vegetationsverläufen. Feldarbeiten lassen sich nicht beliebig aufschieben, die Lebensmittelproduktion nicht einfach einstellen. Gerade in unsicheren Zeiten sehen wir, welchen Wert eine verlässliche heimische Lebensmittelerzeugung hat“, macht Rukwied in seiner Rede deutlich. „Wir Bauern geben auch in schwierigen Jahren nicht einfach auf. Wir machen lange weiter. Aber auch der beste Betrieb kann auf Dauer nicht gegen die wirtschaftliche Realität anarbeiten. Wer Lebensmittel erzeugt, muss damit Geld verdienen können.“
Um den Betrieben kurzfristig Luft zu verschaffen, fordert der Bauernverband konkrete Maßnahmen. Dazu gehören die Aufstockung des Düngemittelhilfspakets auf 180 Millionen Euro sowie eine vorzeitige Auszahlung von 80 Prozent der Direktzahlungen im Oktober. Die Restzahlung soll bis spätestens Ende Dezember 2026 abgesichert sein. „Jetzt zählt Geschwindigkeit. Wir müssen Liquidität auf die Höfe bringen. Das löst die grundlegenden Probleme nicht, aber es hilft unseren Betrieben jetzt unmittelbar“, so Rukwied.
Freiraum statt neuer Vorgaben
Über kurzfristige Hilfen hinaus fordert der LBV-Präsident einen grundsätzlichen Kurswechsel. Die Betriebe brauchen Entlastungen und endlich wieder mehr Raum für unternehmerische Entscheidungen. „Wir Landwirte tragen für unsere Tiere, unsere Böden, unsere Mitarbeiter und unsere Familien jeden Tag Verantwortung. Wir denken nicht bis zur nächsten Wahl, sondern in Generationen. Die Politik muss uns Unternehmern wieder mehr vertrauen. Gebt uns klare Leitplanken, die über Jahre Bestand haben, und dann lasst uns machen“, fordert Rukwied. Dazu gehört für ihn ein konsequenter Abbau von Bürokratie. „Seit Jahren reden wir über Entlastung, aber auf unseren Höfen kommt davon viel zu wenig an. Jetzt braucht es den Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen einen Stopp in der Gesetzgebung und darüber hinaus die Streichung von unnötigen Auflagen und Vorgaben.“
Gleichzeitig müssten die Betriebe widerstandsfähiger gegenüber Krisen und zunehmenden wirtschaftlichen und klimatischen Risiken werden. Dafür gebe es konkrete Stellschrauben: von einer besseren einzelbetrieblichen Risikovorsorge über einfachere Baugenehmigungen und Investitionsanreize für die Tierhaltung, der Stärkung Erneuerbarer Energien wie Biogas bis hin zu einer nationalen Strategie für Wassermanagement und Bewässerung in der Landwirtschaft. „Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt muss die Politik sie umsetzen. Dann werden sich unsere Betriebe so aufstellen, dass sie auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig bleiben“, fordert Rukwied.
Für Rukwied geht es dabei um mehr als die Entlastung der Betriebe heute. Es geht insbesondere auch darum, wer die Höfe von morgen führt. „Wir haben eine junge, top ausgebildete Generation, die Landwirtschaft machen und Verantwortung übernehmen will. Aber sie kann unsere Höfe nur übernehmen, wenn sie dort auch eine wirtschaftliche Zukunft sieht. Es liegt auch in der Verantwortung der Regierung, ihr ein Fundament zu geben, auf dem sie ihre Zukunft bauen kann“, stellt Rukwied klar.
Starke Landwirtschaft schafft Stabilität
Dabei geht es um mehr als die Zukunft einzelner Betriebe. Landwirtschaft schafft regionale Wertschöpfung, prägt unsere Heimat und trägt zu vitalen ländlichen Räumen bei. „Starke ländliche Räume geben unserer Gesellschaft Stabilität. Gerade in politisch unruhigen Zeiten ist das wichtiger denn je. Von der Bundesregierung erwartet der Bauernpräsident deshalb jetzt einen spürbaren Kurswechsel. „Jetzt braucht es Mut und den Willen, wirklich etwas zu verändern. Wir müssen den Menschen, die anpacken und etwas bewegen wollen, wieder Perspektiven geben. Wir haben in Deutschland hervorragend ausgebildete Menschen, viel Know-how und enorme Tatkraft. Wenn wir das gemeinsam in die Waagschale werfen, können wir Deutschland wieder nach vorne bringen. Davon bin ich fest überzeugt.“













