Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) hat den aktuellen Bericht zur Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen eine Reduktion des Einsatzes um 12 Prozent im Vergleich zu den Referenzjahren 2016 bis 2019 – und bestätigen damit die sehr guten Resultate des Vorjahres mit einem Minus von 13 Prozent. Stefan Kerner, Vorsitzender des LBV-Fachausschusses Pflanzenbau und Nachwachsende Rohstoffe, bewertet die Ergebnisse positiv: „Die erneute Reduktion zeigt klar, dass wir in Baden-Württemberg mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz auf dem richtigen Weg sind. Kooperation und Anreize statt pauschaler Verbote – das funktioniert. Unsere Landwirtinnen und Landwirte setzen Pflanzenschutzmittel verantwortungsvoll und nur im notwendigen Maß ein.“ Kerner betont, dass die aktuellen Daten den eingeschlagenen Weg bestätigen: „Die Landwirtschaft ist bereit, diesen Weg weiterzugehen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen der guten fachlichen Praxis weiter zu optimieren.“
Ökolandbau stagniert – Zielmarken in weiter Ferne
Ein wichtiger Baustein zur Erreichung der Pflanzenschutzmittelreduktionsziele ist der weitere Ausbau des ökologischen Landbaus. Jeder ökologisch bewirtschaftete Hektar leistet einen direkten Beitrag, da dort keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Doch der Ausbau des Ökolandbaus in Baden-Württemberg gerät zunehmend ins Stocken. Aus Sicht des LBV liegt das nicht am fehlenden Engagement der Betriebe, sondern an immer weiter zunehmenden EU-rechtlichen Vorgaben, die sowohl die Umstellung als auch den langfristigen Verbleib im Ökolandbau erschweren. Um die Zielmarke von 30 bis 40 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis 2030 zu erreichen, braucht es daher ein klares politisches Bekenntnis zur Unterstützung der Ökobetriebe sowie mehr Flexibilität für betriebsindividuelle Lösungen statt weiterer praxisferner Verschärfungen.
Herausforderungen durch eingeschränkte Zulassungssituation
Neben den erreichten Reduktionen bleibt der Zugang zu Pflanzenschutzmitteln ein zentraler Faktor für eine sichere Erzeugung. Pflanzenschutzmittel dienen der Sicherung von Ernteerträgen und -qualitäten und sind damit ein wesentlicher Baustein für die Versorgungssicherheit. Die Betriebe arbeiten dabei nach dem Prinzip „so viel wie nötig – so wenig wie möglich“ und setzen die Mittel verantwortungsvoll ein. Gleichzeitig verschärfen die zunehmenden Einschränkungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln die ohnehin großen Herausforderungen im Ackerbau und in den Sonderkulturen. Stefan Kerner betont: „Die Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel ist eine zwingende Voraussetzung für die Erzeugung sicherer und gesunder Lebensmittel. Wir erwarten von der Politik, die Zulassungsverfahren rechtskonform zu beschleunigen.“
Hintergrund:
Seit Juli 2020 ist das Biodiversitätsstärkungsgesetz (BiodivG) in Kraft. Eines der Ziele ist die schrittweise Reduktion von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln um 40 bis 50 Prozent bis 2030. Die Reduktion umfasst gleichermaßen Maßnahmen in der Landwirtschaft, im Forst, im Haus- und Kleingarten, bei öffentlichen Grünflächen sowie im Verkehrsbereich. Um die Reduktion in der Landwirtschaft messen und bewerten zu können, wurde ein Betriebsmessnetz aufgebaut. Über 150 landwirtschaftliche Ackerbau- und Sonderkulturbetriebe stellen ihre Pflanzenschutzmittelaufwendung zur Verfügung. Die Ergebnisse werden jährlich in einem Bericht zur Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in Baden-Württemberg veröffentlicht.
Den ausführlichen Bericht zur Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in Baden-Württemberg 2025 des MLR finden Sie hier ».
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.
