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Vertrauen aufrecht erhalten

Haupsgeschäftsführer Peter Kolb
(c) Ossenbrink/DBV

Hauptgeschäftsführer Peter Kolb legt Geschäftsbericht vor

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) sei sehr schwierig gewesen. Dennoch habe der LBV für den Berufsstand beachtenswerte Erfolge erzielt. Das erklärte LBV-Hauptgeschäftsführer Peter Kolb bei der Mitgliederversammlung des Landesbauernverbandes am 19. Juni 2009 in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen).

 

Außerordentliche Vorstandssitzungen, teils quälende Diskussionen, getragen von Selbstzweifeln, Manöverkritik und der Suche nach dem richtigen Weg. So kennzeichnet Kolb wichtige Stationen des Landesbauernverbandes im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09. Alle Mitglieder, die in haupt- oder ehrenamtlicher Funktion an den Entscheidungsfindungen des vergangenen Jahres teilnahmen, wüssten das und hätten es selbst miterlebt.

„Der Landesbauernverband hat es sich nicht einfach gemacht, er hat mit sich gerungen, er hat die eigenen Positionen kritisch hinterfragt und seine Funktionsträger haben miteinander gerungen“, skizziert der LBV-Hauptgeschäftsführer den Ablauf bedeutender Entscheidungsfindungen.

Berufsverband kann nicht aktiv die Preisbildung gestalten

Am Ende der Diskussionen seien immer dieselben Fragen gestanden: „Was kann, was soll, was muss ein Berufsverband für seine Mitglieder leisten? Wie ehrlich darf und muss ein Berufsverband gegenüber seinen Mitgliedern sein? Und – last but not least – kann ein Berufsverband Marktgeschehen beeinflussen, kann er die Preisbildung für Produkte mitbestimmen, kann er Einfluss nehmen auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage und somit auch auf die konkrete Ausgestaltung unternehmerischen Handels eines jeden einzelnen Betriebsleiters?“

Das Ergebnis sei eindeutig gewesen. In dieser Frage gäbe es keinen Dissens innerhalb des Landesbauernverbandes, unterstreicht Kolb. Wenn die Politik „sich wissend und wollend und mit überragenden Mehrheiten“ innerhalb der Europäischen Union aus der Marktsteuerung zurückzieht, dann habe ein Berufsverband „nicht die Möglichkeiten, Preisbildung am Markt aktiv mit zu gestalten“, erklärt der LBV-Hauptgeschäftsführer.

Auseinandersetzung um richtigen Weg weiterführen

Einige Mitglieder meinten offensichtlich, der Bauernverband habe für auskömmliche Preise eines Produktes und somit für ein ausreichendes Einkommen seiner Mitglieder zu sorgen, gibt Kolb seinen Eindruck wieder. Der Bauernverband solle dafür sorgen, so meinten diese Mitglieder, dass die Politik ordnungspolitisch eingreife und den Produktionsdrang der landwirtschaftlichen Unternehmer einschränke. Das könne ein Berufsverband aber nicht leisten, erklärt Kolb in seinem Geschäftsbericht.

Der Berufsstand werde die Auseinandersetzung um den richtigen Weg weiterführen, „so bitter und schmerzlich dies auch sein mag.“ Er solle weiter den Mut haben, seinen Mitgliedern zu sagen, dass es einfache Lösungen nicht gäbe.

Ein Europa der 27 Mitgliedsstaaten sei an Vielfalt, aber auch an Meinungsvielfalt kaum mehr zu überbieten. „Wir müssen erst noch lernen, dass politische Entscheidungen in Europa nicht mehr von der deutsch-französischen Achse allein und schon gar nicht von Deutschland vorgegeben werden,“ gibt Kolb zu bedenken.

Die schönsten Modelle nützten nichts, wenn es nicht gelinge, andere Mitgliedsstaaten von ihrer Richtigkeit und Zukunftsfähigkeit zu überzeugen. Dazu brauche es mehr als Haberfeldtreiben und medienwirksame Hungerstreiks. Dazu bedürfe es echter Überzeugungsarbeit bei den europäischen Nachbarn: „Solche Überzeugungsarbeit kann nur ein starker Bauernverband, ein einiger Bauernverband, ein landwirtschaftlicher Gesamtverband leisten“, betont Kolb.

Er beobachte mit Schrecken die Tendenz zur Zersplitterung und zur Spartenbildung, bekennt der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes. Dies wirke in hohem Maße selbstzerstörerisch.

Tendenz zur Zersplitterung gemeinsam verhindern

Kolb befürchtet, wenn das noch zwei oder drei Jahre so weiterginge, werde der Bauernverband in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken – mit allen Konsequenzen, die das für den Berufsstand mit sich bringe.

„Lassen Sie uns gemeinsam solche Entwicklungen verhindern. Wir haben die Macht und die Kraft dazu. Die Erfolge des abgelaufenen Geschäftsjahres können sich wahrlich sehen lassen“, appelliert Kolb (siehe „Zum Thema“ unten).

Die Erfolge des Landesbauernverbandes seien alles Ergebnisse „solider, sach­orientierter und kompetenter“ Verbandspolitik, unterstreicht er.

Erfolge des Bauernverbandes nicht zerreden lassen

„Lassen wir uns dies nicht kaputt reden, wir haben gute Arbeit geleistet, wir haben unsere Netzwerke nochmals ausgebaut und wir haben die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Hauptamt über die gute Arbeit in den Fachausschüssen nochmals intensiviert“, teilt der Hauptgeschäftsführer mit.

Kolb weist ebenso auf den erneut gut besuchten und positiv beurteilten LBV-Abgeordnetenabend hin. Dieser sei mittlerweile ein fester Termin im Kalender der politischen Partner.

Zudem erinnert er an den von 700 Besuchern großartig angenommenen Unternehmertag, sehr gut besuchte öffentliche Fachausschuss-Treffen und den Ausbau der Schwäbischen Bauernschule in Bad Waldsee. Dieses „großartige und wohl in Deutschland einmalige Projekt“ sei mit Hilfe der Landesregierung auf den Weg gebracht worden. Das zeige, der LBV räume der Bildung, Ausbildung und vor allem Weiterbildung höchste Priorität ein.

Bauernverband will weiter Überzeugungsarbeit leisten

Alles in allem zeigt sich der LBV-Hauptgeschäftsführer überzeugt: „Wir können eine positive Bilanz ziehen. Wir werden allen Auseinandersetzungen zum Trotz weiterarbeiten, wir werden weiter Überzeugungsarbeit leisten und uns nicht von blindem Aktionismus treiben lassen.“

Die Schwerpunkte erfolgreicher Verbandsarbeit fasst Hauptgeschäftsführer Kolb in drei Punkten zusammenfassen: Fachkompetenz, Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft (siehe Kasten unten).

Unter Beachtung dieser Grundprinzipien nenne er sich gerne einen „Lobbyisten für die Bauern“. Ganz im Sinne der angelsächsischen Tradition könne er dem Lobbyismus nichts Schlechtes abgewinnen. Er finde es vielmehr legitim und notwendig, dass sich eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammentue, ihre Interessen gemeinsam formuliere und in die politischen Entscheidungsprozesse einbringe.

Kernelemente erfolgreicher Verbandsarbeit

LBV-Hauptgeschäftsführer Peter Kolb fasst die Kernelemente erfolgreicher Verbandsarbeit wie folgt zusammen:

Fachkompetenz: Nur derjenige, dessen Meinung und Wissen in Politik und Verwaltung nachgefragt wird, kann ein anerkannter Gesprächspartner sein. Die Fachkompetenz spielt in der heutigen medialen Welt eine immer untergeordnetere Rolle. Im politischen Tagesgeschäft jedoch ist sie nach wie vor Voraussetzung für Einflussnahme und Gestaltungsfähigkeit. Fachkompetenz muss hart erarbeitet, gepflegt und erhalten werden. Da braucht es guter und engagierter Mitarbeiter, die bereit sind, tief einzusteigen.

Die Verdrahtung zum Ehrenamt, zu den Praktikern, ist dabei unverzichtbar. Kenntnis der Verhältnisse vor Ort, der topographischen, der klimatischen Verhältnisse, aber auch der regionalen Befindlichkeiten der von den Entscheidungen betroffenen Menschen sind unverzichtbar für Politik und Verwaltung. Der Bedarf an Informationen, Bewertungen und Folgeabschätzungen ist so groß wie nie zuvor.

Glaubwürdigkeit: Nur der vertraute, der glaubwürdige Gesprächspartner kann ein echter Partner auf Dauer sein. In diesem Sinne ist Verbandsarbeit sowohl im Ehrenamt als auch im Hauptamt kein Kurzstreckenlauf, sondern eher mit einem Marathonlauf vergleichbar. Vertrauen bilden und den Sinn für die Realität bewahren, keinesfalls aber den politischen Partner mit politisch Unerreichbarem in die Enge treiben. Dies zeichnet nachhaltige Verbandspolitik aus.

Überzeugungskraft: Zu den Kernaufgaben eines Verbandes gehört es, Politik und Verwaltung von dem zu überzeugen, von dem er selbst überzeugt ist. Keine noch so öffentlichkeitswirksame Aktion ersetzt diese Verbandsaufgabe, die meistens den Großteil der Arbeitszeit ausmacht. Denn Demokratie lebt von der Diskussion, vom gegenseitigen Sich-Überzeugen, vom Meinungsaustausch – und erst in zweiter Linie vom Protest.

Danksagung
Für die Unterstützung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 dankte Hauptgeschäftsführer Peter Kolb allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, Mitgliedern  und Funktionsträgern des LBV und seiner Tochterunternehmen. Dank sprach er auch dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum aus, das stets um gute und faire Zusammenarbeit bemüht sei.

Downloads:

Download LBV-Geschäftsbericht 2007-2009 (PDF)
Download LBV-Geschäftsbericht 2005 bis 2007 (PDF)
Download BWagrar_25_Seite_8-9 (PDF)

04.12.2007

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