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Rukwied: Marktlage drückt Einkommen der Landwirte weiter nach unten

Landesbauernverband (LBV) fordert Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage für die Landwirtschaft „Die Wirtschaftskrise hat die Landwirtschaft mit voller Wucht erreicht und beschert unseren Bauern Einkommensausfälle von bis zu 40 Prozent.“ Das erklärt Präsident Joachim Rukwied bei der Jahrespressekonferenz des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) am 1. Dezember 2009 in Stuttgart. „Der Sturzflug der Getreide- und Ölsaatenpreise hat die Einkommen zusätzlich geschmälert. Die Haupterwerbsbetriebe können derzeit keine Rücklagen bilden.“ Rukwied fordert deshalb die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage, um die Auswirkung von Preisrisiken zu begrenzen und eine nachhaltige Unternehmensführung zu ermöglichen.

Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der niedrigen Preise bei Getreide und Ölsaaten sank das Bruttoeinkommen der landwirtschaftlichen Betriebe im Wirtschaftsjahr 2008/09 um durchschnittlich 21 Prozent auf 19.253 Euro je Familienarbeitskraft und lag unter dem Niveau des Wirtschaftsjahres 2006/07. Die Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkuhhaltung haben mit 10.974 Euro das geringste Einkommen erwirtschaftet. Bundesweit sind die Einnahmen je Familienarbeitskraft um 24 Prozent auf im Durchschnitt 24.400 Euro gefallen. Die Entwicklung in Baden-Württemberg hinkt dem Bundesdurchschnitt weiterhin hinterher.

Beträchtliche Unterschiede zwischen den Betriebsformen
Nach wie vor bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Betriebsformen. So hat sich beispielsweise bei den Veredlungsbetrieben das Unternehmensergebnis 2008/09 je Familienarbeitskraft auf 31.943 Euro erhöht und liegt nach dem erdrutschartigen Rückgang im Vorjahr nun wieder etwa auf dem Niveau 2006/07. 2008 waren die Ferkel- und Schweinepreise nach zweijährigem Krisentief kurzzeitig angestiegen. Zuvor hatten die Schweine- und Ferkelerzeuger von der Substanz gelebt. „Der kurzfristige Gewinn in diesem Betriebszweig reicht nicht für eine sinnvolle Rücklagenbildung und nötige Investitionen aus“, erklärt Rukwied. Schon jetzt könnten die Kosten nur unzureichend gedeckt werden.

Bei den Milchviehbetrieben hat sich das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft um 39,4 Prozent auf 18.229 Euro verschlechtert. Die Erlöse bei Milch sind im abgelaufenen Wirtschaftsjahr gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2007/08 deutlich zurückgegangen. Auch wenn die Milchpreise seit September 2009 wieder langsam nach oben tendieren, sind die Einnahmen laut Rukwied bei Weitem nicht zufriedenstellend.

„Acker-, Wein- und Obstbaubetriebe kämpfen ebenfalls mit stark sinkenden Einnahmen“, sagt der Bauernpräsident. Rekordernten sowie europäische und internationale Konkurrenz hätten die Erzeugerpreise auf ein niedriges Niveau einpendeln lassen. Folge: Ein Einbruch der Unternehmensergebnisse je Familienarbeitskraft im Ackerbau von 17,7 Prozent, bei Wein- und Obstbau von 31,8 Prozent und 29,1 Prozent.

„Insgesamt zeigen die Einkommensschwankungen aller landwirtschaftlicher Betriebe der vergangenen Jahre, wie die volatilen Märkte auf die Landwirtschaft Einfluss nehmen“, erläutert Rukwied. „Risikomanagement und die kontinuierliche Überprüfung der Betriebsabläufe sowie der Finanzsituation sind für die Landwirte unverzichtbar geworden.“ Dazu sei aber auch die Hilfe durch die Politik notwendig. Die Landwirte könnten mit einer Risikoausgleichsrücklage in ihrer Eigenvorsorge gestärkt werden. Außerdem solle über eine Rücklage ein Anreiz zur Eigenvorsorge gegeben werden.

Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr 2009/10
Aufgrund der aktuellen Marktlage bleiben die Aussichten im laufenden Wirtschaftsjahr weiterhin trübe. Auf den Getreidemärkten besteht aufgrund der weltweiten Lagerbestände derzeit nur ein geringer Spielraum für Preissteigerungen. Bei Ölsaaten zeigt sich ein ähnliches Bild. In der Veredlung hat sich der Schlachtschweinemarkt auf niedrigem Niveau eingependelt. Zudem sind die Ferkelpreise deutlich gesunken.

Für das aktuelle Wirtschaftsjahr werden zwar Potenziale zur Preiserhöhung gesehen, dennoch reichen kurzfristige Preishochs nicht zur Rücklagenbildung, als Investitionsanreiz und zur Überwindung von Wettbewerbsnachteilen aus. Insgesamt dürfte sich die Eigenkapitalschwäche der Haupterwerbsbetriebe im Land weiter verschärfen.


Hintergrundinformationen
Datenbasis: Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 3.021 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben aus Baden-Württemberg. Die Hochrechnung erfolgt nach statistischen Grundsätzen. Haupterwerbsbetriebe sind Unternehmen, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Es wurden ausschließlich solche Betriebe ausgewertet, deren Daten schon für die vergangenen beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung standen.

Zahl der Betriebe: Noch rund 53.000 landwirtschaftliche Unternehmen gibt es in Baden-Württemberg. Dies bedeutet einen Rückgang von knapp 65 Prozent gegenüber 152.000 landwirtschaftlichen Betrieben von 30 Jahren. Es gibt etwa 19.000 Haupterwerbsbetriebe.

Unternehmensergebnis: Das Bruttoeinkommen, in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache „Unternehmensergebnis“, muss neben dem Lohn für die geleistete Arbeit auch die Verzinsung des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, die persönlichen Steuern, Tilgung für Fremdkapital und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Ein großer Teil des Unternehmensergebnisses ist für die Finanzierung von Existenz sichernden Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden.

Eigenkapitalbildung: Im Durchschnitt konnte ein baden-württembergischer Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2008/09 rund 1.070 Euro Eigenkapital bilden. Der Wert ist im Hinblick auf eine dauerhafte Sicherung der betrieblichen Existenz viel zu niedrig.

Besondere Risiken in der Landwirtschaft: Die Land- und Forstwirte tragen im Unterschied zur gewerblichen Wirtschaft besondere Risiken, die im Umgang mit lebenden Pflanzen und Tieren sowie der Abhängigkeit von Witterung und Klima begründet sind. Die naturbedingt längerfristig angelegten Produktionsprozesse bringen mit sich, dass der Landwirt nur mit zeitlichen Verzögerungen auf aktuelle Markt- und Preissignale in seiner Produktionsplanung reagieren kann. Wirtschaftliche Folge dieser stark schwankenden Ertragssituation in der Land- und Forstwirtschaft ist, dass es in guten Jahren aufgrund der Steuerprogression zu einer hohen Steuerzahlung und damit einem starken Liquiditätsabfluss kommt. Dieser Effekt wird in schlechten Jahren nicht ausgeglichen.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 45.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 25 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer im Land direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig.

Aktuelle Fotos finden Sie im Internet unter dem Menüpunkt „Presse“ auf www.lbv-bw.de

 

Downloads:

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Download Betriebsergebnisse - Hintergrundinformationen (PDF)

01.12.2009

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