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Rukwied: Dynamik an den Märkten erfordert neue Instrumente in der Vermarktung

Landesbauernverband erwartet leicht überdurchschnittliche Getreideernte – Regen verschlechtert Mähdruschbedingungen – Bauernverband bangt um Ernteeinbringung in Spätdruschgebieten – Präsident Rukwied fordert Absicherung der heimischen Landwirtschaft gemeinsam mit den Marktpartnern durch neue Marktinstrumente

 

„Landwirtschaftliche Unternehmen, die Vorkontrakte abgeschlossen haben, können für Getreide und Ölsaaten deutlich höhere Preise erzielen als solche, die zu Tagespreisen aus der diesjährigen Ernte heraus verkaufen. Darin spiegeln sich die Marktentwicklung seit Herbst 2007 und die aktuellen Ernteschätzungen wider.“ Das erklärt Präsident Joachim Rukwied anlässlich der Erntepressekonferenz des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) am 19. August 2008 auf dem Betrieb der Landwirte Michael Zimmermann und Markus Eppinger in Köngen (Landkreis Esslingen).

„Das Getreidewirtschaftsjahr 2007/08 (30. Juni) war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert“, erläutert Rukwied. Die Nachfrage lag weltweit über der Getreide-produktion. Erstmals hat deshalb die EU ihre Getreideeinfuhrzölle ausgesetzt. Zudem wurde die obligatorische, also verbindliche Flächenstilllegung seit ihrer Einführung in der EU ebenfalls erstmals ausgesetzt. Zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres sind erstmals seit Jahrzehnten die staatlichen Getreidelager leergefegt. Zur Deckung des diesjährigen Bedarfs stehen erstmals lediglich die diesjährige EU-Ernte, private Lagerbestände sowie Einfuhren zur Verfügung.

„Die Entwicklung der Rohstoffmärkte in den vergangenen Monaten zeigt deutlich, wie schnell sich Markttrends ändern können. Sie verdeutlicht aber auch, dass die Land- und Agrarwirtschaft neue Marktinstrumente braucht, um die enormen Preisschwankungen und die daraus erwachsenden Risiken für die Existenz der Betriebe besser als bisher abzusichern“, analysiert der Bauernpräsident die gemeinsamen Herausforderungen für Landwirtschaft und Vermarktungsunternehmen.


Große Sorge wegen Verteuerung von Energie und Betriebsmitteln

Große Sorge bereitet Rukwied die Preisentwicklung an den Energie- und Betriebsmittelmärkten. Binnen Jahresfrist haben sich die Kosten der landwirtschaftlichen Unternehmen für Mineraldünger mehr als verdoppelt. Die Kosten für Energie und sonstige Betriebsmittel sind bis zu 50 Prozent gestiegen. „Die extrem stark gestiegenen Produktionskosten fressen die Mehrerlöse wieder auf und mindern die Wirtschaftlichkeit im Ackerbau ganz massiv“, weist der Bauernpräsident auf die sich aktuell deutlich öffnende Preis-Kostenschere hin.

Lagen die Erzeugerpreise Mitte August 2007 beispielsweise für Weizen durchschnittlich bei rund 200 (190 bis 220) Euro je Tonne zuzüglich Mehrwertsteuer, so werden derzeit nur etwa 170 (160 bis 190) Euro je Tonne notiert. Das sind im Schnitt rund 30 Euro je Tonne oder 15 Prozent weniger.

„Von der Preisentwicklung nach oben aus dem vergangenen Herbst ist aktuell fast nichts mehr zu spüren. Der Markt hat sich aufgrund der weltweit besseren Ernteaussichten gedreht. Allerdings sind wir vom Bauernverband der festen Überzeugung, dass das Preispendel derzeit viel zu stark nach unten ausschlägt. Es ist eine langjährige Erfahrung, dass die Rohstoffbörsen bei günstigen Ernteprognosen häufig überreagieren. Nun sind unsere Marktpartner aufgefordert, die Ernte auch in Drittländer erfolgreich zu vermarkten“, betont Rukwied.

Internationale Marktbeobachter gehen davon aus, dass trotz der erwarteten höheren Getreideernte auch in diesem Wirtschaftsjahr die weltweite Nachfrage größer als das Angebot an Getreide sein dürfte. Das wäre dann schon zum achten Mal in den vergangenen neun Wirtschaftsjahren der Fall.

„Die Weltmärkte für Getreide und Ölsaaten haben sich fundamental geändert. Die starken Preisbewegungen und die hohe Dynamik fordern von den Landwirten und ihren Marktpartnern noch größere Anstrengungen im Absatz von Körnerfrüchten. Dazu brauchen wir zukunftsgerichtete Vermarktungsinstrumente, die es zu entwickeln gilt. Nur so kann zukünftig die Rohstoffbasis für die Agrar- und Ernährungswirtschaft im Land gesichert werden. Erste, viel versprechende Ansätze gibt es. Diese müssen jetzt allerdings weiterentwickelt werden. Zur Zusammenarbeit dazu sind wir jederzeit bereit“, unterstreicht Rukwied.

Etwa 80 Prozent des Getreides in Baden-Württemberg eingebracht

„Etwa 80 Prozent des Getreides dürfte in Baden-Württemberg abgeerntet sein. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. In den Frühdruschgebieten wie im Rheintal ist die Ernte weitgehend abgeschlossen. In den Spätdruschgebieten auf der Schwäbischen Alb, auf der Baar und im Schwarzwald stehen gebietsweise jedoch noch bis zu 40 Prozent des Getreides auf dem Halm.“ So fasst Rukwied den aktuellen Erntestand zusammen.

„Als Folge des nassen Frühjahrs mit gebietsweise stark verzögerter Aussaat und anschließender Trockenheit im Mai und Juni stand in diesem Jahr die Braugerste vielfach erst nach dem Weizen zum Mähdrusch an“, erläutert der Bauernpräsident. Die Ernte von Wintergerste, die überwiegend als Futtergetreide verwendet wird, und Winterraps ist landesweit abgeschlossen. Besonders Weizen, Braugerste und Hafer sind dagegen häufig noch abzuernten.

„Durch die seit Dienstag vergangener Woche teils heftigen und gebietsweise anhaltenden Regenfälle ist der Mähdrusch nur schleppend vorangekommen. Qualitätseinbußen drohen bereits. Wir brauchen jetzt dringend einige trockene Sommertage, damit die Ernte auch in den Spätdruschgebieten wieder unter besseren Erntebedingungen eingebracht werden kann“, unterstreicht Rukwied.

Leicht überdurchschnittliche Erträge und zufrieden stellende Qualitäten

Die Erträge sind bisher ganz überwiegend im mehrjährigen Vergleich leicht überdurchschnittlich. Über alle Kulturen ist durchschnittlich mit um fünf bis zehn Prozent höheren Erträgen gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. Die Qualitäten sind im Schnitt zufrieden stellend; zwischen den einzelnen Kulturarten gibt es jedoch Unterschiede.

Allerdings fallen die regionalen Unterschiede in diesem Jahr besonders extrem aus. Ursachen hierfür sind unter anderen ungünstige Aussaatbedingungen im Frühjahr, besonders bei Braugerste sowie fehlende Niederschläge vor allem im Mai und Juni. Zudem führten in einigen Gebieten starke Hagelunwetter zu Ertragsverlusten.

 

Einzelne Fruchtarten im Überblick

  • Wintergerste: Durchschnittlich bis hohe Erträge; überwiegend gute Qualitäten mit Hektolitergewichten von 55 bis 65 Kilogramm; regionale Ertragsverluste durch Gelbverzwergungsvirus sowie auf leichten Standorten.
  • Weizen: Durchschnittlich bis hohe Hektarerträge; häufig Hektolitergewichte über 80 Kilogramm; Proteinwerte allerdings vielfach ein bis zwei Prozentpunkte niedriger. Besonders in den Spätdruschgebieten kommt es zunehmend durch zu niedrige Fallzahlen und regional Pilzbefall teilweise zu Qualitätseinbußen.
  • Sommergerste: Bei früh gesäten Beständen häufig gute Erträge mit den von den Mälzern erwarteten günstigen Proteinwerten zwischen neun bis 10,5 Prozent und einem Vollgerstenanteil bis zu 98 Prozent. Spät gesäte Bestände weisen jedoch meist nur durchschnittliche Erträge schlechterer Qualität mit teilweise zu hohen Proteinwerten zwischen 11,5 und 13 Prozent und häufig nicht befriedigenden Vollgerstenanteilen auf.
  • Roggen: Durchschnittliche Hektarerträge großer Anteil an backfähiger Ware.
  • Raps: Durchschnittliche Erträge mit sehr großen Unterschieden; regional enttäuschende Druschergebnisse. Gegenüber dem Vorjahr leicht höhere Ölgehalte.

 

Aktuelle Fotos von Präsident Joachim Rukwied können Sie im Internet unter dem Menüpunkt „Presse“ auf www.lbv-bw.de herunterladen.

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19.08.2008

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