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Landesbauernverband: Mit den Preisen sinkt die Stimmung auf den Höfen
Präsident Rukwied: Aktuelle wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe im Land insgesamt unbefriedigend – Finanzkrise wirkt sich belastend aus – Eigenkapitalbasis unzureichend
„Von der im vergangenen Jahr zumindest in einzelnen Sparten auch bei uns zu spürenden Aufbruchstimmung ist aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation leider nur noch wenig zu spüren. Mit dem Rückgang der Preise für Getreide und andere pflanzliche Produkte ist die Stimmung auf den Höfen merklich gesunken. Die Veredlung hat mehr als zwei Jahre mit schwieriger Marktlage hinter sich. Ferkelerzeuger bräuchten dringend Gewinne, um die hohen Verluste zu kompensieren. Die weltweite Finanzkrise, die jetzt auch in Deutschland mit Sorgen um den Arbeitsplatz, Konsum- und Investitionsverzicht konkret zu greifen ist, trägt zur insgesamt unbefriedigenden Lage auf unseren Höfen bei.“ Das erklärt Präsident Joachim Rukwied vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbandes am 25. November 2008 in Stuttgart.
Mitte vergangenen Jahres hatte die Situation in manchen Sparten deutlich besser ausgesehen. Aufgrund weltweit leerer Getreidelager und steigender Nachfrage zeigten die Notierungen für Getreide und Körnerfrüchte nach oben. Erstmalig seit sechs Jahren war Milch knapp, was zu steigenden Milcherzeugerpreisen führte.
Dieser Anstieg der Erzeugerpreise war und wäre auch weiterhin dringend nötig, weil die landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahren steigende Betriebsmittelpreise zu verkraften haben. Das führte zu einer teilweise chronischen Eigenkapitalverknappung; viele Höfe leben mittlerweile von der Substanz. Die schwache Eigenkapitalbasis und der teilweise stattfindende Eigenkapitalverzehr drohen, die Existenz weiterer Höfe zu vernichten.
Große Unterschiede zwischen den Betriebsformen Angesichts der aktuellen Marktlage sind die im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2007/08 mit Ausnahme der Veredlung deutlich besseren Unternehmensergebnisse „schon wieder Schnee von gestern“, bedauert Rukwied. Im Wirtschaftsjahr 2007/08 waren die Unternehmensergebnisse im Durchschnitt der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im Land um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Mit rund 25.600 Euro liegt das durchschnittliche Unternehmensergebnis aber immer noch fast zehn Prozent unter dem gewerblichen Vergleichslohn. Die Eigenkapitalbildung war und ist nach wie vor völlig unbefriedigend. Wegen der fehlenden Eigenkapitaldecke konnten notwendige Investitionen nicht getätigt werden. Diese wären dringend nötig gewesen, um die Betriebe an die zunehmende Marktliberalisierung anzupassen. „Wir brauchen eine stärkere Investitionsförderung, um unsere Höfe zukunftsfähig zu machen“, fordert Rukwied mit Hinweis darauf, dass die Nettoinvestitionen um mehr als die Hälfte zurückgingen.
Große Unterschiede sind bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Unternehmensformen festzustellen. Insbesondere im Ackerbau und in der Milcherzeugung konnten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr – ausgehend von einem sehr niedrigen absoluten Niveau – Verbesserungen im Unternehmensergebnis erzielt werden. Demgegenüber zwang der Einbruch um über die Hälfte im Unternehmensergebnis als Folge der lang anhaltenden Marktkrise viele Veredlungsbetriebe zur Produktionsaufgabe. Binnen vier Jahren mussten mehr als ein Viertel der Schweinehalter und Ferkelerzeuger ihren Betrieb aufgeben.
Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr 2008/09 Aufgrund der aktuellen Marktlage trüben sich die Aussichten im laufenden Wirtschaftsjahr 2008/09 zunehmend ein. Zwar ist es noch zu früh, um eine Prognose abzugeben. Doch angesichts stark rückläufiger Erzeugerpreise insbesondere für Getreide und Milch dürften die Verkaufserlöse deutlich sinken. „Für die Veredlung sehe ich Chancen für eine sich weiter stabilisierende Marktlage. Das ist angesichts der Einbrüche in den Unternehmensergebnissen auch dringend notwendig“, so Rukwied. Insgesamt muss befürchtet werden, dass die Betriebsergebnisse weit unter Vorjahr bleiben und die Eigenkapitalschwäche im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe im Land weiter an Schärfe gewinnt.
Hintergrundinformationen Datenbasis: Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von rund 2600 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben, welche die baden-württembergische Landwirtschaft im Haupterwerb repräsentieren. Die Hochrechnung erfolgt nach statistischen Grundsätzen. Haupterwerbsbetriebe sind Unternehmen, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Es wurden ausschließlich solche Betriebe ausgewertet, deren Daten schon für die vergangenen beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung standen. Nur so ist eine exakte Betrachtung der Einkommensentwicklung möglich.
Zahl der Betriebe: Noch rund 57.000 landwirtschaftliche Unternehmen gibt es in Baden-Württemberg. Dies bedeutet einen Rückgang von knapp 60 Prozent gegenüber etwa 130.000 landwirtschaftlichen Betrieben vor 30 Jahren.
Unternehmensergebnis: Das Bruttoeinkommen, in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache das sogenannte „Unternehmensergebnis“, muss neben dem Lohn für die geleistete Arbeit auch die Verzinsung des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, die persönlichen Steuern, Tilgung für Fremdkapital und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass ein großer Teil dieses Unternehmensergebnisses für die Finanzierung von Existenz sichernden Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden ist. Das konsumfähige Einkommen der Betriebsleiterfamilie liegt daher deutlich unter dem ausgewiesenen Unternehmensergebnis.
Aktuelle Fotos von Präsident Joachim Rukwied können Sie im Internet unter dem Menüpunkt „Presse“ auf www.lbv-bw.de herunterladen.
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Pressemitteilung (.PDF)
25.11.2008
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