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Unerwartet deutliche Gewinneinbußen in den landwirtschaftlichen Betrieben Baden-Württembergs +++ 28.11.2006 +++

Präsident Joachim Rukwied: Die wirtschaftliche Lage auf den landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben hat sich im Wirtschaftsjahr 2005/06 wieder deutlich verschlechtert – Beträchtliche Unterschiede zwischen den Ergebnissen der verschiedenen Betriebsformen

Die vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg vorgenommene Auswertung der Betriebsergebnisse des am 30. Juni zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahres 2005/06 konnte die positive Entwicklung des vorangegangenen Wirtschaftsjahres nicht bestätigen (Tabelle 1).

„Die wirtschaftliche Lage auf unseren Höfen hat sich wieder deutlich verschlechtert. Die in der Buchführung ausgewiesenen Bruttoeinkommen je Familienarbeitskraft auf den Haupterwerbsbetrieben sind im Wirtschaftsjahr 2005/06 gegenüber 2004/05 im Durchschnitt um 14,4 % gesunken und liegen damit in etwa auf dem Niveau des Wirtschaftsjahres 2002/03.“ Dies erklärt Präsident Joachim Rukwied zur Einkommenssituation der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg bei der Jahrespressekonferenz des Landesbauernverbandes am 28. November 2006 in Stuttgart.

Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg
Nach wie vor bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den Unternehmensergebnissen der verschiedenen Betriebsformen (Tabelle 2). „Im Durchschnitt liegt das Bruttoeinkommen je Familienarbeitskraft bei 17.447 Euro im Jahr, wobei sich die Spanne zwischen 30.565 Euro bei den Veredlungsbetrieben und 11.918 Euro bei den Rindermastbetrieben bewegt“, erläutert der Bauernverbandspräsident.

Vergleicht man die Einkommen der baden-württembergischen Landwirtschaft mit der Entwicklung auf Bundesebene, so verläuft diese im Wirtschaftsjahr 2005/2006 im Gegensatz zum vorangegangenen Wirtschaftsjahr uneinheitlich, teilweise sogar gegenläufig. Die Unternehmensergebnisse sind im Bundesdurchschnitt lediglich um 3,5 % gesunken. „Dies verdeutlicht erneut, dass die Entwicklung in Baden-Württemberg dem Bundesdurchschnitt hinterher hinkt“, betont Rukwied.

Nach wie vor sind große Schwankungen zwischen den einzelnen Bundesländern zu verzeichnen (Grafik 1, Tabelle 2 a). Es bleibt festzuhalten, dass Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich sowohl im Durchschnitt als auch bei den einzelnen Betriebsformen - außer bei den Verbundbetrieben - am unteren Ende der Skala rangiert. Eine wesentliche Rolle hierbei spielen die Strukturen der baden-württembergischen Betriebe: unterdurchschnittliche Flächenausstattung und Tierbestände, überdurchschnittlicher Arbeitskraft- und Maschineneinsatz.

Das Bruttoeinkommen, in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache „Unternehmensergebnis“ genannt, muss neben dem Lohn für die geleistete Arbeit auch die Verzinsung des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, die persönlichen Steuern, Tilgung für Fremdkapital und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass ein großer Teil des Unternehmensergebnisses für die Finanzierung von Existenz sichernden Neuinvestitionen sowie für Preissteigerungen bei Ersatzbeschaffungen aufzuwenden ist. „Die Ergebnisse des Wirtschaftsjahres 2005/06 sind auch unter dem Blickwinkel der Entlohnung der im Betrieb eingesetzten Faktoren Arbeit und Kapital nicht befriedigend“, so Rukwied.

Das konsumfähige Einkommen der Betriebsleiterfamilie liegt deutlich unter dem Unternehmensergebnis (Tabelle 3). Diese Zahlen verdeutlichen, unterstreicht Präsident Rukwied, dass man noch lange nicht von einer befriedigenden Situation der landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg sprechen kann. In Baden-Württemberg gibt es derzeit noch rund 50.000 Betriebe mit mehr als zwei Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Dies bedeutet einen Rückgang von über 60 % gegenüber ca. 130.000 landwirtschaftlichen Betrieben vor 30 Jahren.

Nach wie vor deutlicher Einkommensabstand zur gewerblichen Wirtschaft
Das Bruttoeinkommen auf den landwirtschaftlichen Betrieben liegt nach wie vor deutlich unter den Einkommen außerhalb der Landwirtschaft. Der so genannte „gewerbliche Vergleichslohn“ liegt im Bundesdurchschnitt bei 27.012 Euro im Jahr oder 2.251 Euro pro Monat (Tabelle 1). Grafik 2 veranschaulicht, dass die auf den Bauernhöfen beschäftigten Familienarbeitskräfte sowohl im Durchschnitt aller Betriebe als auch in den einzelnen Betriebsformen deutlich weniger verdienen als die Erwerbstätigen in vergleichbaren Gewerbebetrieben. Die einzige Ausnahme hiervon bilden im Wirtschaftsjahr 2005/06 die Veredlungsbetriebe. Erstmals seit langem fielen die Unternehmensergebnisse der Weinbaubetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr unter den gewerblichen Vergleichslohn. Im Durchschnitt aller Betriebe beträgt der Einkommensunterschied 35 %.

Um die Veränderungen bewerten zu können, ist das Heranziehen der letzten beiden Wirtschaftsjahre notwendig. Betrachtet man das Niveau der durchschnittlichen Unternehmensergebnisse je Familienarbeitskraft in den Jahren 2003/04 sowie 2004/05, so scheint die Steigerung des Jahres 2004/05 eine sich nicht so schnell wiederholende Ausnahme gewesen zu sein. (Tabelle 1 und Grafik 3).

Betrachtet man die Entwicklung während des letzten Wirtschaftsjahres im Allgemeinen, so lässt sich feststellen, dass auf der Ertragsseite nur im Bereich Schweinemast ein positiver Trend zu verzeichnen war. Aufgrund des Systemwechsels bei den EU-Zahlungen (seit dem Kalenderjahr 2005 werden die Betriebsprämien ‚entkoppelt’ gewährt, bis 2004 gab es an die Produktion gebundene Ausgleichszahlungen für Tiere und Pflanzen) ist ein direkter Vergleich mit den Vorjahren nicht möglich. Allerdings wird z. B. bei den Futterbaubetrieben mit Schwerpunkt Milch der Rückgang des monetären Ertrags durch den relativ niedrigen Milchpreis zu einem großen Teil über die seit 2004 gewährte Milchprämie ausgeglichen. Weiterhin schlug der zurückgegangene Aufwand bei Futtermitteln sowie beim Pflanzenschutz positiv zu Buche.

Negativ wirkten sich vor allem die durch steigende Rohölpreise deutlich erhöhten Kosten bei Energie, Wasser und Treibstoffen, die rückläufigen Agrardieselerstattungen, der gestiegene Aufwand für Viehzukäufe sowie die negative Entwicklung bei den Getreideerlösen aus (Grafik 3). Auch die Einschnitte bei den Agrarumweltmaßnahmen, hier vor allem beim MEKA, sind deutlich zu spüren. Neben den Wettbewerbsnachteilen durch Umweltschutzauflagen, z. B. durch die novellierte Düngeverordnung auf Bundesebene oder die Umsetzung des Landesnaturschutzgesetzes auf Landesebene, wirkt sich nach wie vor die desolate Haushaltslage auf allen Ebenen negativ aus. Die Änderung der EU-Marktordnung für Zuckerrüben verbunden mit einem Rückgang des Mindestpreises für Zuckerrüben um insgesamt 39,5 % bis 2009/10 greift im Wirtschaftsjahr 2005/06 noch nicht.

Datenbasis von 2.910 landwirtschaftlichen Betrieben
Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 2.910 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben in Baden-Württemberg. Sie repräsentieren die baden-württembergische Landwirtschaft im Haupterwerb. Die Hochrechnung erfolgt nach statistischen Grundsätzen. Haupterwerbsbetriebe sind Bauernhöfe, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Es wurden ausschließlich solche Betriebe ausgewertet, deren Daten schon für die letzten beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung standen. Nur so ist eine exakte Betrachtung der Einkommensentwicklung möglich.

Rückläufiger Trend auf unterschiedlichem Niveau in den einzelnen Betriebsformen
Je nach Produktionsschwerpunkt können die Betriebe unterschiedlichen Betriebsformen zugeordnet werden. In den einzelnen Zweigen der Landwirtschaft stellt sich die Situation durchaus unterschiedlich dar (Tabelle 2).

Der Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Raps steht für die Ackerbaubetriebe (Grafik 4) nach wie vor im Vordergrund. Kartoffeln werden nicht mehr in nennenswertem Umfang angebaut, sodass sich der monetäre Ertragsrückgang im Wirtschaftsjahr 2004/05 um 13,1 % in Baden-Württemberg nur unwesentlich widerspiegelt. Viele Ackerbaubetriebe halten neben den o. g. Produktionsschwerpunkten auch Schweine. Der Bestand an Schweinen geht jedoch seit Jahren kontinuierlich zurück und liegt heute im Durchschnitt der ausgewerteten Ackerbaubetriebe bei ca. 7 Schweinen pro Betrieb. Die positive Preisentwicklung in der Schweinemast am Ende des Wirtschaftsjahres hat sich deshalb im Betriebsergebnis nicht niedergeschlagen. Der Trend bei den Ackerbaubetrieben, ihren Viehbestand insgesamt abzubauen, hat sich fortgesetzt (-15 %).

Die Ackerbaubetriebe liegen mit einem Unternehmensergebnis von 14.394 Euro pro Familienarbeitskraft deutlich unter dem Durchschnitt und hatten im Vergleich mit den anderen Betriebsformen den größten Rückgang des Unternehmensergebnisses (-25,3 %) zu verzeichnen. Dies ist vor allem auf eine leicht unterdurchschnittliche Ernte verbunden mit einem geringen Preisniveau 2005 aufgrund von Marktüberhängen aus der Ernte 2004 zurückzuführen, das sich auch nach der Ernte 2005 nicht erholt hat. Die bundesweiten Kürzungen bei der Agrardieselrückerstattung schlugen sich ebenso deutlich im Unternehmensergebnis nieder.

Futterbaubetriebe haben ihren Produktionsschwerpunkt in der Milch- bzw. in der Rindfleischerzeugung. In Baden-Württemberg hält rund die Hälfte aller Betriebe Rinder, ca. ein Drittel aller Betriebe sind Milchviehhalter. Bei der Auswertung der Unternehmensergebnisse wird zwischen Futterbaubetrieben mit Schwerpunkt Milchviehhaltung und den sonstigen Futterbaubetrieben (insbesondere Rindermast, Mutterkuhhaltung) unterschieden. Bei diesen beiden Betriebsformen war im abgelaufenen Wirtschaftsjahr ein unterschiedlicher Trend zu beobachten. Obwohl die Zahl der Mutter- und Ammenkühe durch Betriebsumstellungen innerhalb der letzten Jahre stark gestiegen ist, soll im Folgenden wegen der wirtschaftlichen Bedeutung der Milcherzeugung in Baden-Württemberg nur auf die Milchviehbetriebe eingegangen werden (Grafik 5 und 6).

Die Erlöse bei Milch in den auf Milchviehhaltung spezialisierten Futterbaubetrieben waren rückläufig. Dies ist vor allem in den Milcherzeugerpreisen begründet, die im Wirtschaftsjahr 2005/06 ca. 2,5 % unter den Milcherzeugerpreisen des vorangegangenen Wirtschaftsjahres lagen. Zudem mussten sich auch die Milchviehbetriebe mit stark gestiegenen Energiepreisen und zurückgehenden Zahlungen bei den Agrarumweltmaßnahmen auseinandersetzen. Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft hat sich dennoch entgegen dem allgemeinen Trend nicht verschlechtert (+/- 0) und liegt bei 16.464 Euro. Dies ist in hohem Maß auf die Einführung der Ausgleichszahlungen bei Milch seit 2004 zurückzuführen. Auch die Umstellung der EU-Zahlungen insgesamt führten seit 2005 dazu, dass Rindfleisch auf einem erfreulich hohen Preisniveau gehandelt wurde (im Durchschnitt ca. 3,10 Euro/kg). Der Aufwand für Futtermittel war wiederholt rückläufig, was v. a. in den niedrigen Getreidepreisen begründet ist. Die Milchviehbetriebe liegen mit ihrem Einkommen jedoch nach wie vor unter dem Durchschnitt aller Betriebe.

Das Einkommen der Veredlungsbetriebe resultiert in erster Linie aus der Produktion von Ferkeln und Mastschweinen. Im Veredlungsbereich kommt die bestehende Marktordnung nicht zur Wirkung, sodass die Preise an den Ferkel- und Schweinemärkten direkt auf Angebots- und Nachfrageänderungen reagieren. Dies wiederum wirkt sich direkt auf die Einkommen der Veredlungsbetriebe aus, die deshalb schon immer größeren Schwankungen unterworfen waren. Die Schweinepreise schwankten während des abgelaufenen Wirtschaftsjahres ständig zwischen 1,40 und 1,50 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) und zogen zum Ende sogar deutlich an. Die Ferkelpreise starteten zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2005/06 auf einem leicht unterdurchschnittlichen Niveau (35 bis 40 Euro je Tier) und zogen bis zum Ende deutlich an (50 bis 55 Euro je Tier). Auch bei den Veredlungsbetrieben schlug der stark gestiegene Aufwand bei Energie, Wasser und Treibstoffen sowie bei Futtermitteln zu Buche. Einhergehend mit den gestiegenen Ferkelpreisen erhöhte sich auch der Aufwand für Viehzukäufe deutlich. Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft sank daher bei den Veredelungsbetrieben im Wirtschaftsjahr 2005/06 um 12,4 % auf 30.565 Euro (Grafik 7).

Die Verbund- oder Gemischtbetriebe haben keinen ausgeprägten Produktionsschwerpunkt. Das Einkommen je Familienarbeitskraft sank bei den Gemischtbetrieben um 17,8 % auf 19.234 Euro und liegt über dem Durchschnitt (Grafik 8). Die negative Entwicklung des Einkommens ergibt sich aus verschiedenen Gründen. Hauptanteil haben der gestiegene Aufwand bei Energie, Wasser und Treibstoffen, die zurückgehenden Erträge bei Getreide und Milch sowie die sinkenden Zahlungen bei den Agrarumweltmaßnahmen und der Agrardieselrückerstattung.

Dauerkulturbetriebe spielen in Baden-Württemberg eine wichtige Rolle. Sie beziehen ihre Erlöse v. a. aus dem Wein- und Obstbau. Die Entwicklung der Unternehmensergebnisse verlief bei beiden Betriebsformen im Wirtschaftsjahr 2005/06 analog zum allgemein rückläufigen Trend, jedoch unterschiedlich stark.

Baden-Württemberg ist die bedeutendste Obstbauregion innerhalb Deutschlands. Bei Äpfeln fiel die Ernte 2005 aufgrund der natürlichen Alternanz knapp 30 % geringer aus als im Jahr zuvor. Die leicht gestiegenen Preise für Tafeläpfel konnten den mengenmäßigen Rückgang jedoch nicht ausgleichen. Dies ist der wesentliche Grund, warum das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft bei den Obstbaubetrieben um 4,2 % auf 16.323 Euro sank (Grafik 10).

Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft in den Weinbaubetrieben sank deutlich um 18,6 % auf 23.744 Euro (Grafik 9). Die im Vergleich zu 2004 geringeren Mengenerträge zur Ernte 2005 wurden von allgemein zunehmendem Preisdruck begleitet. Außerdem sind bei der Weinvermarktung ständig steigende Aufwendungen notwendig, um am Markt weiterhin bestehen zu können. Die Weinbaubetriebe liegen dennoch an zweiter Stelle auf der Einkommensskala.

Wenig Veränderungen beim Arbeitskräfteeinsatz pro Hektar sowie den Flächen und Viehbeständen
Aus den Erträgen und den Aufwendungen ergibt sich das Unternehmensergebnis, das 2005/06 im Durchschnitt aller Haupterwerbsbetriebe um 13,7 % auf 25.130 Euro sank (Tabelle 3 und Grafik 3). Die Gesamterlöse gingen gegenüber dem Vorjahr um 2,2 % leicht zurück. Der Arbeitskräfteeinsatz pro Betrieb hat sich nur unwesentlich verändert und liegt bei durchschnittlich 1,6 AK je Unternehmen bzw. 3,1 AK je 100 Hektar. Der durchschnittliche Arbeitskräftebesatz, bezogen auf die Fläche, liegt damit in Baden-Württemberg um rund ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt. Der Viehbestand der ausgewerteten Haupterwerbsbetriebe ist im Durchschnitt der letzten drei Jahre leicht rückläufig und liegt im Wirtschaftsjahr 2005/06 bei knapp 40 GV je Unternehmen bzw. 0,8 GV je Hektar.

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb wurde nur unwesentlich um rund ein Prozent ausgedehnt. Der Landesbauernverband weist in diesem Zusammenhang auf den gleich bleibend hohen Anteil der Pachtflächen hin, der im Durchschnitt der ausgewerteten Betriebe bei 67 Prozent liegt. Mittlerweile gibt ein Haupterwerbsbetrieb in Baden-Württemberg rund 7.400 Euro pro Jahr allein für Pachtzahlungen aus. Dieses Geld fließt zu einem großen Teil an außerlandwirtschaftliche Grundstückseigentümer.

Der betriebliche Aufwand tendiert leicht nach oben, vor allem die Aufwendungen in den Bereichen Energie, Wasser, Treibstoffe, Viehzukäufe sowie Düngemittel sind deutlich gestiegen. Leicht zurück gingen dagegen die Aufwendungen für Futtermittel und Pflanzenschutz (Grafik 3).

Unerfreuliche Entwicklung bei der Eigenkapitalbildung
Für eine dauerhafte Sicherung seiner Existenz sollte ein leistungsfähiger landwirtschaftlicher Familienbetrieb jährlich mindestens 5.000 Euro Eigenkapital bilden, um das erforderliche Betriebswachstum auch mit angemessenen Eigenmitteln finanzieren zu können. Im Durchschnitt konnte ein baden-württembergischer Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2005/06 knapp 1.105 Euro Eigenkapital bilden. Damit wurde die angestrebte Größe nicht einmal ansatzweise erreicht. Die Eigenkapitalbildung des letzten Wirtschaftsjahres von knapp 5.400 Euro muss aus heutiger Sicht als erstrebenswerte, jedoch bisher leider einmalige Größe betrachtet werden.

Die Kennzahl „Cash Flow II“, die angibt, welcher Betrag für Privatentnahmen, Investitionen und Schuldentilgung zur Verfügung steht, fiel im Vergleich zum davor liegenden Wirtschaftsjahr deutlich und lag bei rund 18.700 Euro. Die angespannte Lage und damit die Bedenken hinsichtlich zukunftsweisender Schritte bei vielen Landwirten wird durch den Betrag für Nettoinvestitionen in Höhe von nur - 66 Euro unterstrichen.

Das laufende Wirtschaftsjahr 2006/2007
Für das am 1. Juli 2006 begonnene neue Wirtschaftsjahr 2006/07 sind anhand der Preis- und Kostenentwicklung noch keine einheitlichen Tendenzen zu erkennen. Bei Gesprächen mit Landwirten vor Ort ist jedoch eine gewisse Aufbruchstimmung festzustellen. Inwieweit diese auf konkreten Fakten beruht oder vielmehr die Potenziale berücksichtigt, die sich für die Landwirtschaft z. B. auch im Bereich ‚Erneuerbare Energien’ ergeben, bleibt abzuwarten. Die im Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar veröffentlichten Daten bestätigen diese Einschätzung. Demnach steigt die Bereitschaft der Landwirte zu Investitionen wieder leicht an. Die Investitionsneigung bezieht sich vor allem auf Wirtschaftsgebäude, Maschinen und Geräte.

Eine detaillierte Bewertung der aktuellen Situation kommt zu folgenden Prognosen:

Seit September 2006 haben sich die Milchpreise – wenn auch auf deutlich zu niedrigem Niveau – stabilisiert (derzeit ca. 28,0 Cent/kg). Dies liegt vor allem an der positiven Exportsituation von Milch nach Italien und Käse nach Russland. Der zumindest in Teilen trockene Sommer und die daraus resultierende geringere Grundfutterqualität lässt auch im laufenden Wirtschaftsjahr keine steigenden Mengen erwarten.

Die Erzeugerpreise für Rindfleisch bewegten sich bei Jungbullen im Laufe des Jahres 2006 knapp über Vorjahresniveau. Der aktuelle Erzeugerpreis liegt bei 3,05 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Aus heutiger Sicht dürften sich die Preise um 3 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht einpendeln.

Die Ferkelpreise lagen in der ersten Jahreshälfte bei 50 bis 55 Euro je Tier. Sie sind zwischenzeitlich auf aktuell 42 bis 43 Euro gefallen. Dabei spielt auch der innereuropäische Handel eine nicht unerhebliche Rolle, wobei Importe von Ferkeln aus Dänemark und den Niederlanden den deutschen Markt negativ beeinflussen.

Die Mastschweinepreise, die derzeit bei 1,40 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht liegen, bewegten sich während des gesamten Jahres 2006 auf einem Niveau zwischen 1,35 und 1,70 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Mit einer gleich bleibenden Entwicklung ist aus heutiger Sicht zu rechnen.

Die Weizenpreise lagen mit ca. 10 Euro je Dezitonne für in der Ernte gelieferte Ware um mehr als 1,0 Euro über dem Niveau der Ernte 2005. Aktuell liegt der Weizenpreis bei 15,0 Euro je Dezitonne. Diese Entwicklung ist die Folge einer zwar mengenmäßig durchschnittlichen Ernte, jedoch außerhalb der Frühdruschgebiete unterdurchschnittlichen Qualität. Allerdings steht inzwischen nur noch relativ wenig Weizen zum Verkauf an. Der Getreidemarkt ist durchweg – auch im europäischen Binnenmarkt – sehr knapp versorgt.


Tabellen und Grafiken zum Download



Downloads:

Download Landwirtschaft in Baden-Württemberg, Haupterwerbsbetriebe: Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft und gewerblicher Vergleichslohn (DOC)
Download Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft, Wirtschaftsjahr 2005/06 (DOC)
Download Unternehmenergebnis je Familienarbeitskraft, Wirtschaftsjahr 2005/06 (Vergleich Baden-Württemberg und Deutschland) (DOC)

28.11.2006

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