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Nach dreijähriger Durststrecke bei den Einkommen der Haupterwerbsbetriebe wieder ein Lichtblick am Horizont +++ 02.12.2005 +++
Präsident Hockenberger: Die Unternehmensergebnisse aus dem Wirtschaftsjahr 2004/05 müssen dringend stabilisiert und ausgebaut werden, um den Strukturwandel mit dem jährlichen Verlust tausender Arbeitsplätze nicht weiter zu beschleunigen.
Die vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) vorgenommene Auswertung der Betriebsergebnisse des am 30. Juni zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahres 2004/2005 setzt dem negativen Trend der letzten drei Wirtschaftsjahren mit jährlich zweistelligen Abnahmeraten ein Ende. Die in der Buchführung ausgewiesenen Bruttoeinkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe sind gegenüber dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr 2003/2004 im Durchschnitt um 27,7 Prozent gestiegen (Tabelle 1). „Dieser Anstieg ist erfreulich und war nach drei Jahren mit zweistelligen Abnahmeraten dringend notwendig, um wieder mehr Eigenkapital für unverzichtbare Zukunftsinvestitionen zu bilden. Die wirtschaftliche Lage auf den landwirtschaftlichen Betrieben bleibt nach wie vor angespannt. Es wäre zu hoffen, dass von der positiven Entwicklung des abgelaufenen Wirtschaftsjahres 2004/05 ein Signal ausgeht, welches die katastrophale Stimmung in der Landwirtschaft verbessern hilft.“ Dies erklärt Präsident Gerd Hockenberger zur Einkommenssituation der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg bei der Jahrespressekonferenz des Landesbauernverbandes am 30. November 2005 in Stuttgart.
„Entscheidend bei den absoluten Zahlen ist das Niveau, von welchem die Steigerung erfolgt ist“, betont Hockenberger. Die Unternehmensergebnisse 2004/05 liegen – nach dreimaligem Rückgang in den vergangenen drei Wirtschaftsjahren – nun wieder etwa auf dem Niveau des Jahres 2001/02, allerdings immer noch deutlich unter den Ergebnissen 2000/01. „In den vergangenen drei Wirtschaftsjahren mussten über 7000 landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg ihre Hoftore für immer schließen“, weist Hockenberger auf den beschleunigten Strukturwandel hin. „Die verbleibenden Höfe wuchsen in der Betriebsgröße an. Dieser Effekt und die besseren Markterlöse 2004/05 in wichtigen Produktionszweigen haben zu dem durchschnittlichen Einkommensanstieg geführt“, erläutert er. „Das insgesamt erfreuliche Ergebnis ändert allerdings kaum etwas daran, dass nach wie vor zu wenig Eigenkapital zur langfristigen finanziellen Absicherung gebildet wird und weiterhin jährlich tausende Arbeitsplätze verloren gehen“, bedauert der Bauernverbandspräsident. „Diese Entwicklung trifft nicht nur die Bauernfamilien, sondern auch die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche im ländlichen Raum. Dies bereitet mir große Sorgen, denn das relativ bessere Ergebnis 2004/05 kann nicht über unsere strukturellen Probleme und insbesondere die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der meisten unserer Höfe innerhalb der EU und im internationalen Wettbewerb hinwegtäuschen“, erklärt der Bauernverbandspräsident. „Derzeit müssen unsere Betriebe mit gestiegenen Energiepreisen und einer angespannten Situation auf vielen Agrarproduktmärkten kämpfen“, weist Hockenberger auf die Situation im ersten Halbjahr des laufenden Wirtschaftsjahres hin. „Wir brauchen 2005/06 dringend eine Stabilisierung und Verbesserung der Unternehmensergebnisse“, unterstreicht er.
Die Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg im Einzelnen Nach wie vor bestehen große Unterschiede zwischen den Unternehmensergebnissen der verschiedenen Betriebsformen. Im Durchschnitt liegt das Bruttoeinkommen je Familienarbeitskraft bei 21.013 Euro im Jahr, wobei sich die Spanne zwischen 35.535 Euro bei den Veredelungsbetrieben und 16.235 Euro bei den Rindermastbetrieben bewegt (Tabelle 2). Vergleicht man die Entwicklung der Einkommen der baden-württembergischen Landwirtschaft mit der Entwicklung auf Bundesebene, so verläuft diese 2004/2005 im Gegensatz zum vorangegangenen Wirtschaftsjahr wieder parallel. Die Unternehmensergebnisse sind im Bundesdurchschnitt sogar um 36,3 Prozent gestiegen. Auch diese Zahl verdeutlicht, dass die Entwicklung in Baden Württemberg bezogen auf das abgelaufene Wirtschaftsjahr zwar positiv ist, jedoch dem Bundesdurchschnitt hinterher hängt. Nach wie vor sind relativ große Schwankungen zwischen den einzelnen Bundesländern zu verzeichnen (Grafik 1, Tabelle 2a). Es muss festgestellt werden, dass Baden-Württemberg zusammen mit Bayern sowohl im Durchschnitt als auch bei den einzelnen Betriebsformen meistens am unteren Ende der Skala rangiert. Eine wesentliche Rolle hierbei spielen die Strukturen der baden-württembergischen Betriebe (unterdurchschnittliche Flächenausstattung und Tierbestände, überdurchschnittlicher AK- und Maschineneinsatz). Das Bruttoeinkommen, in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache „Unternehmensergebnis“ genannt, muss neben dem Lohn für die geleistete Arbeit auch die Verzinsung des im Betrieb eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich gehen davon die Sozialabgaben, die persönlichen Steuern und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration ab.
Weiter ist zu berücksichtigen, dass ein großer Teil des Unternehmensergebnisses für die Finanzierung von Existenz sichernden Neuinvestitionen und für Preissteigerungen bei Ersatzbeschaffungen aufzuwenden ist. Daher sind die Ergebnisse 2004/2005 auch unter dem Blickwinkel der Entlohnung der eingesetzten Faktoren Arbeit und Kapital nicht befriedigend. Das konsumfähige Einkommen der Betriebsleiterfamilie liegt deutlich unter dem ausgewiesenen Ergebnis (Tabelle 3). Diese Zahlen verdeutlichen nach Angaben von LBV-Präsident Gerd Hockenberger, dass man noch lange nicht von einer Entspannung oder Erholung der Situation auf den landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg reden kann. In Baden-Württemberg gibt es derzeit noch rund 50.000 Betriebe mit mehr als zwei Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Dies bedeutet einen Rückgang von über 60 Prozent gegenüber 135.000 landwirtschaftlichen Betrieben vor 30 Jahren.
Nach wie vor deutlicher Einkommensabstand zur gewerblichen Wirtschaft Trotz der Steigerung des Unternehmensergebnisses liegt das Bruttoeinkommen auf den landwirtschaftlichen Betrieben nach wie vor deutlich unter den Einkommen außerhalb der Landwirtschaft. Der so genannte „gewerbliche Vergleichslohn“ liegt im Bundesdurchschnitt bei 26.904 Euro im Jahr oder 2.242 Euro pro Monat. Grafik 2 veranschaulicht, dass die auf den Bauernhöfen beschäftigten Familienarbeitskräfte sowohl im Durchschnitt aller Betriebe als auch in den einzelnen Betriebsformen deutlich weniger verdienen als die Erwerbstätigen in vergleichbaren Gewerbebetrieben. Herausragende Ausnahme hiervon bilden im Wirtschaftsjahr 2004/05 die Veredelungs- und beinahe schon traditionell die Weinbaubetriebe. Im Schnitt aller Betriebe beträgt der Einkommensunterschied immer noch 28 Prozent.
Um die Veränderungen bewerten zu können, ist das Heranziehen der letzten beiden Wirtschaftsjahre zwingend notwendig. Betrachtet man das Niveau der durchschnittlichen Unternehmensergebnisse je Familienarbeitskraft in den Jahren 2002/2003 sowie 2003/2004, so wird mehr als deutlich, dass die diesjährige Steigerung um 27,7 Prozent dringend notwendig war (Tabelle 1 bzw. Grafik 2). Dennoch bleibt die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Betrieben angespannt und besorgt. Betrachtet man die Entwicklung während des letzten Wirtschaftsjahres im Allgemeinen, so lässt sich feststellen, dass vor allem die Schweinemast, die guten Erträge und Preise bei Getreide, Zuckerrüben sowie Öl- und Hülsenfrüchten und die EU-Ausgleichszahlungen im Bereich Tier und Milch (vor allem Milchprämie, Schlachtprämie bei Bullen) zu diesen positiven Unternehmensergebnissen beitrugen. Auch der deutlich zurückgegangene Aufwand bei Futtermitteln sowie bei Saat- und Pflanzgut machte sich bemerkbar. Negativ wirkten sich vor allem die gestiegenen Kosten bei Energie, Wasser und Treibstoffen sowie die gestiegenen Aufwendungen für die betriebliche Unfallversicherung aus (Grafik 3). Neben den Wettbewerbsnachteilen durch Umweltschutzauflagen, bspw. durch die novellierte Düngeverordnung auf Bundesebene oder die Neufassung des Landesnaturschutzgesetzes auf Landesebene, wirkt sich auch die desolate Haushaltslage auf allen Ebenen nach wie vor negativ aus. Es besteht die Gefahr, dass Ausgleichsleistungen gekürzt oder gestrichen werden. Auch die Verflechtungen innerhalb der EU bzw. auf internationaler Ebene sind für die baden-württembergische Landwirtschaft von elementarer Bedeutung. Durch die Änderung der Marktordnung für Zuckerrüben auf EU-Ebene sind die betroffenen Landwirte in Baden-Württemberg mit einem Rückgang des Zuckerrübenpreises um insgesamt 39,5 Prozent bis 2009/10 konfrontiert.
Steigende Rohölpreise bedingen eine Verteuerung der Düngemittel und schlagen bei den Betriebskosten für Energie und Treibstoffe zu Buche. Die Kürzungen im Sozialbereich, vor allem bei der betrieblichen Unfallversicherung, machen sich bereits bemerkbar, während die Kürzungen bei der Agrardieselvergütung erst im nächsten Wirtschaftsjahr deutlich zu spüren sein werden. Die diesjährige positive Entwicklung bedeutet daher ein dringend notwendiges Aufatmen, gekoppelt mit einem angespannten Erwarten der kommenden Entwicklungen.
Datenbasis von 2.960 landwirtschaftlichen Betrieben Die Ermittlung der Einkommenssituation basiert auf den Buchführungsergebnissen von 2.960 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben in Baden-Württemberg. Haupterwerbsbetriebe sind Bauernhöfe, deren Erlöse überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammen. Es wurden ausschließlich solche Betriebe ausgewertet, deren Daten schon für die letzten beiden Wirtschaftsjahre zur Verfügung standen. Nur so ist eine exakte Betrachtung der Einkommensentwicklung möglich. Die ausgewerteten Betriebe repräsentieren die baden-württembergische Landwirtschaft im Haupterwerb. Die Hochrechnung erfolgt nach statistischen Grundsätzen.
Positiver Trend, jedoch unterschiedliches Niveau in den einzelnen Betriebsformen Je nach Produktionsschwerpunkt können die Betriebe unterschiedlichen Betriebsformen zugeordnet werden. In den einzelnen Zweigen der Landwirtschaft stellt sich die Situation durchaus unterschiedlich dar (Tabelle 2).
Der Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Raps steht für die Ackerbaubetriebe (Grafik 4) nach wie vor im Vordergrund. Kartoffeln werden nicht mehr in nennenswertem Umfang angebaut, so dass sich der monetäre Ertragsrückgang im Wirtschaftsjahr 2004/2005 um 13,1 Prozent in Baden-Württemberg nur unwesentlich widerspiegelt. Viele Ackerbaubetriebe halten neben den genannten Produktionsschwerpunkten auch Schweine. Die überaus positive Preisentwicklung in der Schweinemast hat sich deshalb im Betriebsergebnis deutlich niedergeschlagen. Der Trend bei den Ackerbaubetrieben, ihren Viehbestand abzubauen, hat sich fortgesetzt (- 17 Prozent). Die Ackerbaubetriebe liegen mit einem Unternehmensergebnis von 17.369 Euro pro Familienarbeitskraft deutlich unter dem Durchschnitt. Dennoch steigerten diese Betriebe ihr Unternehmensergebnis im Vergleich mit den anderen Betriebsformen bemerkenswert. Dies ist vor allem auf eine überdurchschnittlich gute Ernte im Jahr 2004 verbunden mit einem relativ hohen Preisniveau aufgrund der regionalen Trockenheiten in Europa zurückzuführen.
Futterbaubetriebe haben ihren Produktionsschwerpunkt in der Milch- oder Rindfleischerzeugung. In Baden-Württemberg halten somit rund die Hälfte aller Betriebe Rinder; ca. ein Drittel aller Betriebe sind Milchviehhalter. Bei der Auswertung der Unternehmensergebnisse wird zwischen Futterbaubetrieben mit Schwerpunkt Milchviehhaltung und den sonstigen Futterbaubetrieben (insbesondere Rindermast, Mutterkuhhaltung) unterschieden. Bei beiden Betriebsformen konnte der allgemeine positive Trend bei den Unternehmensergebnissen beobachtet werden. Obwohl die Zahl der Mutter- und Ammenkühe in den letzten Jahren stark gestiegen ist, wird im Folgenden wegen der wirtschaftlichen Bedeutung der Milcherzeugung nur auf die Milchviehbetriebe eingegangen (Grafik 5 und Grafik 6).
Trotz praktisch unveränderter Erlöse bei Milch konnten die auf die Milchviehhaltung spezialisierten Futterbaubetriebe ihr Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft um 20,9 Prozent auf 18.800 Euro steigern. Dies ist in hohem Maß auf die Einführung der Ausgleichszahlungen bei Milch seit dem Jahr 2004 zurückzuführen. Zudem ging der Aufwand für Futtermittel im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück, was im leicht überdurchschnittlichen Futteraufwuchs im Vergleich zum von extremer Trockenheit geprägten Vorjahr 2003 begründet ist. Die Milchviehbetriebe liegen mit ihrem Einkommen dennoch unter dem Durchschnitt aller Betriebe.
Das Einkommen der Veredelungsbetriebe resultiert in erster Linie aus der Produktion von Ferkeln und Mastschweinen. Im Veredelungsbereich gibt es keine Marktordnung, so dass die Preise an den Ferkel- und Schweinemärkten direkt auf Angebots- und Nachfrageänderungen reagieren. Dies wiederum wirkt sich direkt auf die Einkommen der Veredelungsbetriebe aus, die deshalb schon immer größeren Schwankungen unterworfen waren. Die Schweinepreise erreichten zu Beginn des abgelaufenen Wirtschaftsjahres mit ca. 1,60 Euro je kg Schlachtgewicht (SG) ein erfreuliches Niveau und pendelten sich im weiteren Verlauf zwischen 1,40 und 1,50 Euro/kg SG ein. Die Ferkelpreise erholten sich im Vergleich zu 2003/04 leicht, blieben jedoch auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Durch diese Entwicklung sowie den deutlichen Rückgang für den Aufwand von Futtermitteln und Viehzukäufe nimmt das Unternehmensergebnis der Veredelungsbetriebe erstmals seit Jahren wieder den Spitzenplatz im gesamtbetrieblichen Vergleich in Baden-Württemberg ein. Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft lag für die Veredelungsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2004/2005 bei 35.535 Euro (Grafik 7).
Die so genannten Verbund- oder Gemischtbetriebe haben keinen ausgeprägten Produktionsschwerpunkt. Das Einkommen je Familienarbeitskraft stieg bei den Gemischtbetrieben deutlich um 71,8 Prozent auf 22.685 Euro und liegt damit knapp über dem Durchschnitt (Grafik 8). Diese positive Entwicklung des Einkommens wurde aus unterschiedlichen Gründen erreicht. Hauptanteil haben die Erträge aus der Schweinehaltung, sodass die Gemischtbetriebe vom positiven Trend in diesem Bereich partizipieren konnten. Auch der deutlich zurückgegangene Aufwand bei den Futtermitteln machte sich bemerkbar. Negativ wirkte vor allem der gestiegene Aufwand bei den Viehzukäufen sowie im Bereich Energie, Wasser, Treibstoffe.
Dauerkulturbetriebe spielen in Baden-Württemberg eine wichtige Rolle. Sie beziehen ihre Erlöse vor allem aus dem Wein- und Obstbau. Die Entwicklung der Unternehmensergebnisse verlief bei diesen beiden Betriebsformen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr sehr unterschiedlich. Baden-Württemberg ist die bedeutendste Obstbauregion innerhalb Deutschlands, wobei insbesondere die Erzeugung von Äpfeln eine große Rolle spielt. Die falsche Einschätzung der heimischen Produktionsmenge sowie die extreme Steigerung der Einfuhrmengen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten, China und Neuseeland haben den hiesigen Markt quasi zusammen brechen lassen. Zudem ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland und Europa stagnierend bzw. eher rückläufig. Dadurch sank das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft bei den Obstbaubetrieben um 47 Prozent auf knapp 18.000 Euro (Grafik 10).
Nach der Trockenheit im Sommer 2003 und damit verbundenen geringen Mengenerträgen konnten die Weinbaubetriebe die Ertragssituation zur Ernte 2004 verbessern (Grafik 9). Aufgrund des mehrjährigen Auszahlungssystems wirken sich die Preise grundsätzlich erst verteilt über die folgenden Wirtschaftsjahre aus. Das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft stieg um ca. 12,8 Prozent auf 29.890 Euro. Die Weinbaubetriebe liegen an 2. Stelle auf der Einkommensskala.
Kaum Veränderungen beim Arbeitskräfteeinsatz pro Hektar sowie den Flächen und Viehbeständen Aus den Erträgen und den Aufwendungen ergibt sich das Unternehmensergebnis, das 2004/2005 im Durchschnitt aller Haupterwerbsbetriebe um 27,7 Prozent auf 30.989 Euro anstieg (Tabelle 3 und Grafik 3). Die Gesamterlöse haben sich gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent leicht erhöht. Der Arbeitskräfteeinsatz (AK) hat sich kaum verändert und liegt bei durchschnittlich 1,7 AK je Unternehmen und 3,4 AK je 100 Hektar. Der durchschnittliche AK-Besatz, bezogen auf die Fläche, liegt damit in Baden-Württemberg um rund ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt. Der Viehbestand der Haupterwerbsbetriebe ist im Durchschnitt der letzten drei Jahre gleich geblieben und liegt 2004/05 bei rund 45 Großvieheinheiten (GV) je Unternehmen oder 0,9 GV je Hektar. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb wurde um rund ein Prozent ausgedehnt. Der Landesbauernverband weist auf den hohen Anteil der Pachtflächen hin, der im Durchschnitt bei 67 Prozent liegt. Mittlerweile gibt ein Haupterwerbsbetrieb im Land über 7.000 Euro pro Jahr allein für Pachtzahlungen aus. Dieses Geld fließt zum Großteil an außerlandwirtschaftliche Grundstückseigentümer.
Der betriebliche Aufwand tendiert leicht nach oben (+ 1,2 Prozent). Dies resultiert vor allem aus den gestiegenen Aufwendungen in den Bereichen Viehzukäufe, Energie, Wasser, Treibstoffe sowie betriebliche Unfallversicherung. Deutlich zurück gingen dagegen die Zukäufe von Futtermitteln, die sich nach der extremen Futterknappheit des Jahres 2003 wieder auf Normalniveau einpendelten (Grafik 3).
Insgesamt erfreulichere Entwicklung bei der Eigenkapitalbildung Für eine dauerhafte Sicherung seiner Existenz sollte ein leistungsfähiger landwirtschaftlicher Familienbetrieb jährlich mindestens 5.000 Euro Eigenkapital bilden, um das erforderliche Betriebswachstum auch mit angemessenen Eigenmitteln finanzieren zu können. Im Durchschnitt konnte ein baden-württembergischer Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2004/2005 knapp 4.800 Euro Eigenkapital bilden. Damit wurde die angestrebte Größe von 5.000 Euro erstmals seit Jahren fast erreicht. Von einer nachhaltigen Eigenkapitalbildung kann deshalb aber noch nicht gesprochen werden. Die Betriebe, deren Einkommen unter dem Durchschnitt liegt, bewegen sich hier nach wie vor im Minusbereich. Die Kennzahl „Cash Flow II“, die angibt, welcher Betrag für Privatentnahmen, Investitionen und Schuldentilgung zur Verfügung steht, stieg erstmals seit Jahren und lag bei rund 23.840 Euro. Die nach wie vor angespannte Lage und damit die Bedenken hinsichtlich zukunftsweisender Schritte bei vielen Landwirten wird durch den Betrag für Nettoinvestitionen in Höhe von nur 482 Euro unterstrichen.
Das laufende Wirtschaftsjahr 2005/2006 Für das am 1. Juli 2005 begonnene neue Wirtschaftsjahr lassen sich anhand der Preis- und Kostenentwicklung noch keine einheitlichen Tendenzen feststellen. Eine detaillierte Bewertung der aktuellen Situation kommt zu folgenden Prognosen: Die Milchpreise stagnieren im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr auf einem niedrigeren Niveau (Milcherzeugerpreis derzeit ca. 27,5 Cent/kg). Die Erzeugerpreise für Rindfleisch bewegten sich bei Jungbullen im Laufe des Jahres 2005 auf einem sehr hohen Niveau. Der aktuelle Erzeugerpreis liegt bei 2,90 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht und damit in etwa auf der Höhe der Erzeugerpreise vor der BSE-Krise. Aus heutiger Sicht ist die weitere Entwicklung noch offen. Inwieweit die Wirkung der geänderten Prämiensituation ab 1. Januar 2006 in einigen EU-Ländern (Entkopplung von der Produktion) Preis stabilisierend wirkt, bleibt abzuwarten. Die Ferkelpreise fielen von einem sehr hohen Niveau Anfang des Jahres 2005 auf zwischenzeitlich 37 Euro. Dabei spielt auch der innereuropäische Handel eine nicht unerhebliche Rolle, wobei Importe von Ferkeln aus Dänemark und den Niederlanden den deutschen Markt beeinflussen. Die Mastschweinepreise, die derzeit bei 1,44 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (SG) liegen, bewegen sich während des gesamten Jahres 2005 auf einem Niveau zwischen 1,40 und 1,50 Euro/kg SG. Mit einer gleich bleibenden Entwicklung ist aus heutiger Sicht zu rechnen.
Die Weizenpreise liegen mit bis zu 9 Euro je Dezitonne für in der Ernte gelieferte Ware in etwa auf dem Niveau der Ernte 2004. Aktuell wird der Weizen mit knapp 11 Euro je Dezitonne notiert. Mit einer Festigung der Preise ist aus heutiger Sicht kaum zu rechnen.
Fazit: Aus den genannten Daten ergibt sich, dass sich das Ergebnis der Haupterwerbsbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr 2005/06 gegenüber dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2004/05 schwer abschätzen lässt. Eine Weiterentwicklung der positiven Tendenzen auf den einzelnen Märkten wäre dringend notwendig. Ob sich diese im Verlauf des aktuellen Wirtschaftsjahres fortsetzt, ist jedoch offen. Klar ist jedenfalls, dass eine Stabilisierung und Verbesserung der Unternehmensergebnisse ausgehend vom jetzigen Niveau mehr als wünschenswert wäre.
02.12.2005
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