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Den Zuckerrübenanbau im Land sichern +++ 22.11.2005 +++

Bauernpräsident Hockenberger fordert Begrenzung der begünstigten Einfuhren aus Drittländern.

„Die vorgesehenen Preissenkungen von mehr als 42 Prozent bei Zuckerrüben und rund 39 Prozent bei Zucker lassen jedes Augenmaß vermissen und sind in dieser Höhe weder notwendig noch zielorientiert“, kritisiert Gerd Hockenberger den Kommissionsvorschlag zur Reform der EU-Zuckermarktordnung. Der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) in Baden-Württemberg: „Bei der Ministerratssitzung am 22. November und den weiteren Verhandlungen geht es um sehr viel. Wenn der Kommissionsvorschlag auch nur annähernd wie vorgesehen umgesetzt wird, bedeutet dies das Ende einer der letzten noch funktionierenden Produktionsalternativen im pflanzenbaulichen Bereich mit gewaltigen Auswirkungen für die betroffenen Betriebe in unserem klein strukturierten Land. Ich fürchte, dass dann jeder zweite Rübenanbaubetrieb seine Hoftore schließen muss und jeder zweite Arbeitsplatz in der Zucker verarbeitenden Industrie und den vor- und nach gelagerten Wirtschaftsbereichen verloren geht“, mahnt Hockenberger. Diejenigen, denen die Zuckermarktreform zugute kommen sollte, nämlich den „Ärmsten der Armen“ auf dieser Welt, die hätten davon überhaupt nichts. Profitieren würden lediglich einige Großgrundbesitzer in den bedeutendsten Zuckerrohranbauländern der Erde, insbesondere in Südamerika. „Wir in Deutschland können mit dem Billigzucker aus diesen Ländern nicht konkurrieren, der ohne die Einhaltung von Produktions-, Sozial- und Umweltstandards erzeugt und zu Dumpingpreisen in die EU eingeführt wird“, erläutert der Bauernverbandspräsident. „Die Landarbeiter in den Zuckerrohrplantagen haben keinen Nutzen von der Reform“, gibt er zu bedenken.

„Besonders wichtig ist es jetzt, dass der Restrukturierungsfonds ordentlich ausgestattet wird und auch den Zuckerrübenbetrieben voll zugänglich ist, um die Härten eines Ausstiegs aus der Produktion abzufedern“, betont Hockenberger. „Diese Ausgleichsmittel müssen direkt den ausscheidenden Rübenbaubetrieben zugute kommen“, verlangt er.

Der Bauernverbandspräsident verlangt weiterhin vor allem auch einen „wirksamen Außenschutz“. Absolut notwendig sei eine „klare Regelung zur Mengensteuerung, die ein zu schnelles und unkontrolliertes Anwachsen der begünstigten Einfuhren verhindert, das einseitig zu Lasten unserer heimischen Zuckeranbaubetriebe gehen würde“, erklärt er.

Hockenberger erwartet von der neuen Bundesregierung und dem neuen Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer, dass sie sich auf EU-Ebene entschieden für den Erhalt eines wirtschaftlichen Zuckerrübenanbaues und einer funktionierenden Zuckerwirtschaft in Deutschland einsetzen. Es gebe keinen Sinn, bewährte Erzeugungs- und Verarbeitungsbereiche zu zerschlagen. „Es muss jetzt Schluss sein, mit der leichtfertigen Gefährdung von Arbeitsplätzen in Deutschland, ohne den Menschen hier im Lande vernünftige Alternativen aufzuzeigen“, spricht Hockenberger deutliche Worte.


Hintergrundinformationen:
Am 22. November 2005 verhandelt der EU-Ministerrat in Brüssel über die Reform der EU-Zuckermarktordnung.

Am 21. November 2005 werden am Vorabend der EU-Ministerratssitzung im Rahmen der Aktion „Existenzfrage Zucker“ bundesweit Mahnfeuer von betroffenen Zuckerrübenanbauern entzündet.

In Baden-Württemberg gibt es rund 4000 Zuckerrübenanbauer mit etwa 21.000 Hektar Anbaufläche. Diese Höfe erwirtschaften jährlich etwa 71 Millionen Euro Zuckerrübengeld, woraus sich durchschnittlich gut 17.000 Euro je Betrieb errechnen.

Die Zuckerrüben verarbeitende Industrie beschäftigt in Baden-Württemberg knapp 600 Mitarbeiter, darunter fast 200 Mitarbeiter im Werk Offenau.

In den vor- und nach gelagerten Wirtschaftsbereichen des Zuckerrübenanbaus und der Zuckerfabriken werden in Baden-Württemberg jährlich rund 38 Millionen Euro erwirtschaftet.

In Deutschland hängen rund 58.000 Arbeitsplätze, EU-weit etwa 300.000 Arbeitsplätze von der Zuckerrübenerzeugung ab.


22.11.2005

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